NEW YORK (BIERMANN) – Chronische Krankheiten können die Familienbande immens strapazieren – Hämophilie bildet da keine Ausnahme. Leidet das eine Geschwisterkind an der Bluterkrankheit, kann das zu Konkurrenzdenken und Eifersucht bei den anderen, "gesunden" Geschwistern führen.

Absurde Wünsche wie: "Ich wünschte, ich hätte die Bluterkrankheit und nicht mein Bruder", treten dann auf. Linda Casto vom Columbus Children's Hospital Hemophilia Treatment Center in Ohio, hat solche Aussagen schon öfter gehört.

"Die Geschwister schreien dann förmlich nach Aufmerksamkeit. Dieses Phänomen ist auch von anderen chronischen Krankheitsfällen innerhalb einer Familie mit mehreren Geschwistern bekannt", berichtet Casto der National Hemophilia Foundation und führt weiter aus: "Es ist immens wichtig, dann gut aufzupassen, denn sonst können Eifersucht und Rivalitäten unter den Geschwistern entstehen."

So untersuchte die Doktorandin Elisabeth Fung vom Children's Memorial Hospital in Chicago in einer Studie 75 Kinder, die ein Geschwisterkind mit Hämophilie hatten. Dabei stellte sie fest, dass sich etwa 40 Prozent der Kinder durch die Krankheit des anderen Geschwisterkindes zurückgesetzt fühlten.

Tipps für die Bedürfnisse der "gesunden" Kinder

Miteinbeziehen: Experten wie Dana Merritt vom Children's Hospital of Michigan Hemostasis and Thrombosis Center in Detroit raten den Eltern, alle gesunden Geschwisterkinder miteinzubeziehen. Das bedeutet auch, die Geschwister mit ins Krankenhaus zu nehmen, wenn dort ein Termin ansteht. Man sollte sie nicht unnötigerweise davor schützen. "Kinder haben eine blühende Fantasie, sie stellen es sich dann meistens schlimmer vor, als es eigentlich ist", weiß Merritt.

Aufklärung: Eltern sollten allen Geschwistern die Möglichkeit dazu geben, so viel wie möglich über die Bluterkrankheit zu lernen. Nach dem Motto: Schauen, lernen, einbezogen werden, sollen die Geschwister ein Verständnis für das chronisch kranke Kind entwickeln können. Eltern sollten diese Situation als Herausforderung betrachten, den Kindern gleichzeitig wichtige Fähigkeiten fürs Leben mitzugeben, wie zum Beispiel Mitgefühl und Feingefühl.

Gleichberechtigtes Verhalten: Eltern sollten dem chronisch kranken Kind nicht unverhältnismäßig viel Aufmerksamkeit schenken. Am besten behandelt man es genauso, wie alle anderen Geschwister.

Quelle: Hemaware 2010