SEOUL (Biermann) – Trotz der immensen Fortschritte, welche die moderne Hämophilie-Therapie in den vergangenen Jahrzehnten gemacht hat, erfordert die Schädigung der Gelenke durch Einblutungen (hämophile Arthropathie) mitunter einen Gelenkersatz.

Koreanische Forscher haben sich jetzt damit befasst, wie es Patienten, denen ein komplettes künstliches Hüftgelenk – eine Hüfttotalendoprothese – zementfrei eingesetzt wurde, auf lange Sicht geht.

Das Team um S.H. Lee von der Kyung Hee University, Seoul, beobachtete über zehn Jahre bei 23 hämophilen Patienten, denen 27 Hüfttotalendoprothesen zwischen 1995 und 2003 zementfrei implantiert wurden, wie es ihnen mit dem neuen Gelenk erging und wie sich Prothese und umgebende Knochen im Laufe der Zeit im Röntgenbild darstellten. 

Allerdings lagen nicht mehr für alle Patienten Daten über zehn Jahre vor, sondern nur für 21 Implantationen bei 17 Patienten.

Den Bewegungsbereich des Hüftgelenks ermittelten die Wissenschaftler anhand des modifizierten „Harris hip score“: Er verbesserte sich von 57 Punkten vor der Operation auf 94 Punkte bei der letzten Nachbeobachtung.  Der modifizierte „Harris hip score“ setzt sich aus zwei Dimensionen der Hüftfunktion zusammen – Schmerz und Funktion –, bei denen die jeweils maximal erzielbaren Punktwerte den besten Zustand darstellen. So bedeuten die maximal erreichbaren 44 Punkte im Teilbereich Schmerzen „keine Schmerzen“.  Der Bereich „Funktion“ (maximal 47 Punkte) ist noch weiter untergliedert in „Gang“ (maximal 33 Punkte) und „Aktivitäten“ (maximal 14 Punkte).*

Auch die mittlere, durch Gewebeschrumpfung bedingte Gelenkfehlstellung verringerte sich von 10° vor der Operation auf 0,9° bei der letzten Nachbeobachtung. Zudem beobachteten die Forscher, dass sich die weitere Beugung von 68,4° auf 90,5° nach der Operation verbesserte.

Darüber hinaus stellten die Wissenschaftler fest, dass der mittlere monatliche Bedarf an Faktor VIII von 3150 Einheiten vor der Operation auf 1800 Einheiten zum Zeitpunkt der letzten Nachuntersuchung gesunken war.

Lee und Kollegen beobachteten drei Fälle von erneuten Einblutungen. In einem Fall entdeckten sie einen fortschreitenden hämophilen Pseudotumor (ein abgekapseltes Hämatom).  In drei Fällen musste der Patient erneut operiert werden.

„Wir sind der Ansicht, dass der zementlose Ersatz des vollständigen Hüftgelenks bei Patienten mit hämophiler Hüftarthropathie eine erhebliche Schmerzlinderung und funktionelle Verbesserung über mehr als zehn Jahre bieten kann“, schlussfolgern die Forscher.

Quelle: Haemophilia, online erschienen am 09.10.2014
Lee, S. H., Rhyu, K. H., Cho, Y. J., Yoo, M. C. and Chun, Y. S. (2014), Cementless total hip arthroplasty for haemophilic arthropathy: follow-up result of more than 10 years. Haemophilia. doi: 10.1111/hae.12544
http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/hae.12544/abstract

* Definition nach http://edoc.ub.uni-muenchen.de/1674/1/Grubwinkler_Michael.pdf , S. 13