Vor allem junge Hämophilie-Patienten profitieren von der zementlosen Hüfttotalendoprothetik. Dies ist das Ergebnis einer Studie koreanischer Wissenschaftler, die die Operationsergebnisse von 27 Eingriffen dokumentiert und ausgewertet haben.

"Die Hüfttotalendoprothetik scheint bei Patienten mit hämophiler Arthropathie weniger erfolgreich zu sein als unter nicht-hämophilen Bedingungen. Auch wenn vorläufige Ergebnisse ermutigend sind, sind die Überlebens- und Funktionsergebnisse der zementlosen Endoprothetik der Gesamthüfte bei Hämophilie bislang unbekannt", begründen die Wissenschaftler ihren Forschungsansatz.

Sie hatten deshalb die mittelfristigen Ergebnisse dieser Eingriffe, die zwischen 1995 und 2003 bei 23 Patienten vorgenommen worden waren, näher beleuchtet. Die Patienten der Studiengruppe waren im Durchschnitt 36 Jahre alt und wurden über durchschnittlich 92 Monate (Spanne: 60 – 156 Monate) beobachtet.

Dazu gehörte, dass die Wissenschaftler mit Hilfe von Röntgenaufnahmen die Fixierung der Komponenten, Ablösungserscheinungen, Knochenabbau sowie die Abnutzung und Knochenreaktionen rund um die Implantate beurteilten. Außerdem erfassten sie den Faktorbedarf, die Zahl der Transfusionen und Komplikationen, die bei Blutungen auftraten.

Wie die Forscher dabei herausfanden, verbesserte sich der Harris Hip Score – ein international verbreiteter Score zur Beurteilung und Interpretation eines klinischen Befundes nach Hüfttotalendoprothese – von 57 auf 95,9 bei der letzten Untersuchung, die Überlebensrate der zementlosen Endoprothesen betrug 95,2 Prozent.

Ein Patient mit Knochenabbau rund um die Hüftpfannen wurde mit Knochentransplantation und Wechsel des Polyethylen-Liners neu operiert. Eine abgelöste Pfanne wurde durch eine zementierte Pfanne ersetzt, während alle anderen Komponenten bei der letzten Untersuchung als stabil eingeschätzt wurden.

Insgesamt habe die vorgestellte rückblickende Studie gezeigt, dass die funktionellen Ergebnisse der zementlosen Hüfttotalendoprothetik bei Hämophilie – vor allem bei jungen Patienten – genauso befriedigend sind wie bei Patienten mit Arthrose, fassen die Wissenschaftler ihre Ergebnisse zusammen.

"Für optimale Ergebnisse sind allerdings ein standardisiertes Protokoll und ein engagiertes Team aus Hämatologe, Arzt, Physiotherapeut, Pflegern und Koordinatoren notwendig", geben die Autoren zu bedenken.

Angesichts der Tatsache, dass die Mehrheit der Hämophilie-Patienten, die eine Hüfttotalendoprothetik benötigten, relativ jung sei, sei das zementlose Verfahren aktuell zu empfehlen.

Quelle: Haemophilia 2009, 15:766 – 773