Entgegen der gängigen Ansicht, dass ein vollständiger Hüftersatz rund zehn Jahre hält, erwiesen sich die Implantate in einer aktuellen Studie als extrem haltbar: Selbst 20 Jahre nach der Operation taten sie noch ihren Dienst. Die Studie ist in der Maiausgabe des Journal of Bone and Joint Surgery erschienen.

Klinische Untersuchungen und Röntgenbilder zeigten, dass 96 Prozent der 124 untersuchten zementlosen Metallkomponenten 20 Jahre nach der Operation noch fest an Ort und Stelle saßen.

Diese Komponenten, die auf die Hüftpfanne – oder Acetabulum – passen, gehörten zu den ersten Implantaten, deren Design eine porenförmige Struktur aufwies. Dies ermöglicht dem Knochen, in die Oberfläche einzuwachsen – in der Hoffnung auf eine langfristige Fixierung.

"Unsere Ergebnisse bestätigen frühe Arbeiten am Rush und anderen Einrichtungen, denen zufolge zementfreie Hüftpfannen-Komponenten sehr gut funktionieren und dass eine langfristige biologische Fixierung erzielt werden kann", sagte Dr. Craig Della Valle, orthopädischer Chirurg am Chicagoer Rush University Medical Center und Hauptautor der Studie.

Während der vergangenen 20 Jahre haben die Forscher die Ergebnisse für 204 Hüftersatz-Operationen untersucht, die am Rush Mitte der 1980er Jahre bei einer Gruppe aus 184 Patienten zwischen 20 und 84 Jahren erfolgten. Die aktuelle Studie untersuchte die 124 Implantate der 111 noch lebenden Patienten.

Untersucht wurden die zementfreien Pfannenimplantate nach Harris-Galante (I), deren Design auf die Forschungsarbeiten von Dr. Jorge Galante zurückging, der auch an dieser Studie beteiligt war. Implantate früherer Generationen, die mit einem speziellen Zement an den Knochen der Patienten festgemacht wurden, haben höhere Versagensraten gezeigt, vor allem nach zehn Jahren und mehr.

Seit dem früheren Bericht, der die Ergebnisse nach 15 Jahren vorstellte, erwiesen sich zwei Metallimplantate als locker, zusätzlich zu den drei bereits früher gefundenen (vier Prozent der 124 Implantate). Von den ursprünglichen 204 Hüftimplantaten hatten fünf versagt (2,5 Prozent der Gesamtzahl). Davon wurden zwei überarbeitet. Drei wurden intakt gelassen, da die Patienten nicht unter nennenswerten Symptomen litten.

Allerdings war bei fast 20 Prozent der Patienten, die nach 20 Jahren noch lebten, die Plastikauskleidung der Metallhülle so abgenutzt, dass eine erneute, aber weniger aufwändige Operation erforderlich war oder empfohlen wurde. Dabei korrelierte ein jüngeres Alter stark mit einem höheren Risiko für Verschleiß-bedingte Probleme.

"Das Durchschnittsalter der Patienten in dieser Studie lag bei 52 Jahren – viel jünger als die meisten Patienten, die sich damals einer Hüftersatz-OP unterzogen. Daher kam die hohe Rate an Verschleiß-bedingten Komplikationen nicht gänzlich unerwartet", sagte Galante.

Auch hatte mit der Zeit die Zahl der chirurgischen Überarbeitungen aufgrund von Osteolyse oder Knochenresorption zugenommen. Diese ist ein Ergebnis der Reaktion des Körpers auf die durch Verschleiß erzeugten Bruchstücke und die Korrosion der Metallimplantate.

Die Mediziner hoffen aber, dieses Problem durch neuere stabilere Oberflächen in den Griff zu bekommen.

Quelle: J Bone Joint Surg Am 2009; 91 (5):1130-5