NEW HAVEN (BIERMANN) – Forscher an der Yale University haben ein neues Tiermodell entwickelt, um die Hämophilie A genauer zu erforschen und letzten Endes die Betroffenen besser behandeln zu können.

Die Tierärztin Carmen Jane Booth, Junior-Professorin für vergleichende Medizin, und ihr Team untersuchten eine durch Inzucht erzeugte Rattenkolonie, die viele Jahre lang gesund lebte, bevor sie spontan Symptome zeigte, die jenen von Menschen mit Hämophilie A ähneln.

Dazu zählten Blutungen, spontane kleinflächige Hautblutungen, geschwollene Gelenke, verlängertes Bluten kleiner Wunden und unerklärliche Todesfälle bei trächtigen Ratten oder Muttertieren nach der Geburt.

Zunächst schlossen die Wissenschaftler Umweltfaktoren als Ursache der Blutungsstörung aus. Dann zeigten sie, dass sie erblich war und führten diagnostische Tests durch, um den spezifischen Gerinnungsfaktor und den zugrunde liegenden Gendefekt zu finden.

Dabei fand das Team um Booth heraus, dass die betroffenen Tiere eine reduzierte Menge an Faktor VIII hatten. Die Sequenzierung des entsprechenden Gens zeigte eine Mutation, die jenen bei Menschen mit schwerer Hämophilie ähnelt. Bei Ratten liegt das Gen für Faktor VIII auf Chromosom 18 – anders als bei Mäusen und Menschen, bei denen es auf dem X-Chromosom lokalisiert ist.

"Die größere Körpergröße der Ratte und der Unterschied bei der Lokalisation des Gens machen die Ratte zu einem einzigartigen Modell, das sich gut zur Entwicklung neuartiger Therapien gegen erworbenen und vererbten Faktor-VIII-Mangel eignet", erläuterte Booth.

Wurden die betroffenen Ratten mit humanem rekombinantem Faktor VIII behandelt, korrigierte dies die abnormale Gerinnungsfähigkeit und stoppte die anhaltenden Blutungen.

"Dies ist das einzige spontane Rattenmodell der Hämophilie A", unterstrich die Expertin. "Die Ratten bluten und entwickeln in ähnlicher Weise Blutergüsse wie Menschen mit Hämophilie A. Letzten Endes haben wir vor, dieses Modell für die Entwicklung von Gentherapien einzusetzen sowie dazu, um neuartige Therapeutika zur Behandlung von Menschen mit Hämophilie A zu bewerten."

Quelle: Yale University; Journal of Thrombosis and Haemostasis doi: 10.1111/j. 1538-7836.2010.03978