UPPSALA (BIERMANN) – Der Körper jedes einzelnen hämophilen Patienten reagiert offenbar ganz unterschiedlich auf die Gabe von Faktor VIII. Wissenschaftler sprechen von der Pharmakokinetik, um zu beschreiben, wie sich eine Arzneisubstanz im Körper verhält, wie schnell sie abgebaut wird oder wie aktiv sie ist. Bei Faktor VIII geht es oft um die Begriffe Halbwertszeit – also wie schnell der gespritzte Faktor VIII im Blut abgebaut wird – und Recovery – damit wird beschrieben, wie viel sich von ihm im Blut wiederfinden lässt.

Ein Team um den schwedischen Wissenschaftler Sven Björkman von der Universität Uppsala hat jetzt untersucht, ob und wie sich Alter und Körpergewicht auf die Pharmakokinetik von Faktor VIII auswirken. Zudem schauten sie, inwiefern es eine Rolle spielt, wann und wie oft die Blutproben genommen wurden, anhand derer die Messungen erfolgten.

Speziell interessierte die Forscher der Unterschied zwischen Kindern und Erwachsenen. Auf den geht die Pharmakokinetik an sich auch zurück: Laut Wikipedia gilt der Kinderarzt Friedrich Hartmut Dost als ihr Begründer. Er habe 1953 ein erstes Lehrbuch dazu herausgegeben. Grundlage seiner Überlegungen sei die Erkenntnis gewesen, dass Dosisempfehlungen für Arzneimittel nicht einfach von Erwachsenen auf Kinder heruntergerechnet werden dürften.

Für ihre Analyse werteten die Forscher drei Studien aus. An diesen hatten insgesamt 52 Kindern zwischen einem und sechs Jahren sowie 100 Patienten zwischen 10 und 65 Jahren mit einem Faktor-VIII-Spiegel von zwei Internationalen Einheiten pro Deziliter (IE/dl) oder weniger teilgenommen.

Wie die Ergebnisse zeigten, war die Recovery bei Kindern geringer, der Abbau nach Berücksichtigung des geringeren Körpergewichts höher und die Faktor-VIII-Halbwertszeit im Schnitt kürzer als bei Erwachsenen.

Allerdings wurde den Kindern nicht so oft Blut abgenommen. Das Team um Björkmann vermutet, dass dies bis zu 50 Prozent der gefundenen Unterschiede erklären könnte. Wie sich Faktor VIII im Körper verhielt und wie schnell er abgebaut wurde, unterschied sich bei verschiedenen Messungen bei ein und demselben Patienten weniger als zwischen verschiedenen Patienten (bei den 10- bis 65-Jährigen). Dies spricht nach Ansicht der Forscher für pharmakokinetische Messungen, um die nötige Dosis an Faktor VIII individuell zu bestimmen.

Das Alter und das Verhältnis vom tatsächlichen zum Idealgewicht wirkten sich übrigens nicht besonders auf die pharmakokinetischen Parameter aus – ein Grund mehr für solche Messungen.

Alles in allem stellten die Forscher fest, dass die Unterschiede in der Pharmakokinetik dazu führen, dass hämophile Patienten recht unterschiedliche Faktor-VIII-Dosen brauchen, um während der Prophylaxe eine Mindestkonzentration von Faktor VIII aufrecht zu erhalten.

Wie oft für solche Messungen Blut abgenommen wird, sollte berücksichtigt werden, wenn die Ergebnisse aus verschiedenen pharmakokinetischen Studien verglichen werden, unterstreichen die Wissenschaftler. Beim einzelnen Patienten spiele dies aber keine so große Rolle, weshalb sie seltenere Blutabnahmen für vertretbar halten.

Quelle: J Thromb Haemost 2010 Jan 17.