MADRID (Biermann) – Die Infektionsrate nach dem erstmaligen Ersatz eines Kniegelenks beträgt in der Allgemeinbevölkerung im Schnitt ein Prozent. Bei Menschen mit Hämophilie beträgt sie jedoch fast acht Prozent.

Das führte Prof. E.C. Rodriguez-Merchan und E. Carlos von der Autonomen Universität Madrid zu den Fragen, warum die Infektionsrate bei hämophilen Menschen höher ist als in der Allgemeinbevölkerung und was getan werden kann, um das zu ändern.

Die Forscher durchsuchten medizinische Online-Bibliotheken nach entsprechenden Studien. Die ihrer Ansicht nach wichtigsten Artikel wählten sie für diese Übersichtsarbeit aus. Die Hauptkriterien für ihre Auswahl bestanden darin, dass die Artikel sich mit der Prävention von Infektionen bei hämophilen Menschen, die ein neues Kniegelenk bekommen, befassen.

Zu den Risikofaktoren, die mit dem Patienten selbst zusammenhängen und in der Allgemeinbevölkerung für eine postoperative Infektion anfällig machen, zählen eine herabgesetzte Immunfunktion und eine vorangegangene Infektion des Knies.

Der gefährliche Keim "Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus" (MRSA) ist das häufigste Bakterium in infizierten künstlichen Kniegelenken. Ein systematisches Screening per Abstrich vor der Operation ist sehr wichtig. Patienten, die dabei diesen Keim aufweisen, sollten dagegen behandelt werden („Dekontaminierung“ der Nase).

Zudem hat sich die Antibiotika-Prophylaxe vor der Operation als effektive Methode herausgestellt, um die Infektionsraten zu senken. Zudem sollten Operationssäle idealerweise mit einem "Laminar Flow" (einer meist vertikal gerichteten, turbulenzarmen Luftströmung) ausgestattet sein.

Bei Menschen mit Hämophilie gibt es drei weitere Risikofaktoren: die unzureichende Blutgerinnung, der HIV-positive Status und zentralvenöse Katheter (ZVKs). Werden jedoch Präventionsmaßnahmen umgesetzt, wie sie auch für die Allgemeinbevölkerung gelten, und die Patienten über zwei bis drei Wochen in ausreichender Menge mit Gerinnungsfaktor behandelt, kann dies dazu beitragen, Infektionen in dieser Risikogruppe zu reduzieren. In punkto Katheterversorgung betonen Rodriguez-Merchan und Carlos, wie wichtig das Händewaschen und eine aseptische Technik sind.

Bei HIV-positiven Patienten mit CD4-Zahlen von weniger als 200 Zellen/ Mikroliter Blut sollte bei einem Verdacht auf eine Infektion früh und aggressiv behandelt werden, schreiben die Wissenschaftler. Die Operation sollte nach individueller Abwägung von Nutzen und Risiko erfolgen. Wenn der Ersatz des Kniegelenks nicht ratsam sei, könne die Entfernung des abgestorbenen Gewebes im Kniegelenk die Schmerzen für einige Jahre lindern und die nötige Versorgung mit einem künstlichen Kniegelenk hinauszögern.

Quelle: Blood Coagul Fibrinolysis. 2012 Jun 8. [Epub ahead of print]