(aeses) Die Hämophilie ist eine angeborene Blutgerinnungsstörung, bei der ein Gen so verändert ist, dass der Körper des betroffenen Patienten zwar Gerinnungsfaktor herstellen kann, dieser aber durch kleine Veränderungen nicht funktionsfähig ist. Mit der etablierten Behandlung – der Verbreichung des funktionstüchtigen Faktors von außen – können die Symptome der Hämophilie gemildert oder sogar beseitigt werden, eine Heilung der Hämophilie ist damit jedoch nicht möglich. Die Heilung dieser Erkrankung ist nur durch die Übertragung des gesunden Gens auf den Patienten denkbar. Für diesen Gentransfer wird ein spezielles Transportsystem benötigt, das das Gen unbeschadet bis in den Zellkern geeigneter Körperzellen trägt. Für diese Aufgabe scheinen bestimmte Viren am besten geeignet zu sein.

Die ersten Versuche mit Viren als Gen-Transportern an Mäusen und Kaninchen waren so vielversprechend, dass Ende der 1990er Jahre gleich mit drei klinischen Studien an Hämophilie-Patienten begonnen wurde.

Die anfängliche Euphorie legte sich jedoch schnell, als erkennbar wurde, dass mit den eingesetzten Viren die Gene zwar erfolgreich übertragen wurden, aber nur geringe, nicht ausreichende Faktorspiegel im Blut von 1-4% erzielt werden konnten, die zudem nach spätestens einem Jahr wieder verschwunden waren.

Diese klinischen Studien zeigten zwar, dass das Prinzip des Gentransfers funktioniert, machten aber auch deutlich, dass die vielversprechenden Ergebnisse an den Kleintieren nicht unbedingt auf den Menschen übertragen werden können.

Interessanterweise waren die Ergebnisse der ersten Versuche an hämophilien Hunden ähnlich denen aus den klinischen Studien. Dass deutet darauf hin, dass hämophile Hunde die Geschehnisse im Menschen besser widerspiegeln als Kleintiere. Hunde sind alleine schon wegen des im Vergleich zur Maus geringeren Größenunterschieds die geeigneteren Versuchstiere.

Durch Verbesserung der Transportviren und durch alternative Verabreichungsformen ist es in den letzten Jahren gelungen, bei hämophilien Hunden langfristig ausreichend hohe Faktor-Spiegel von 10-25% zu erreichen und damit deren Hämophilie zu heilen.

Die kommenden 5 Jahre werden nun zeigen, ob es möglich sein wird, die Erfolge an hämophilen Hunden auch am Patienten zu wiederholen. Auch wenn die ersten klinischen Studien noch nicht die erhoffte Heilung brachten, so deckten sie doch die Probleme auf, die zum Erreichen eines langfristigen Erfolgs zuvor gelöst werden müssen.

Quelle: Vortrag Professor Katherine High, Philadelphia, USA