PARIS (BIERMANN) – Im (französischen) Gesundheitssystem werden "Experten-Patienten" oder "Patienten-Tutoren", die bei der Schulung ihrer Leidensgenossen helfen, zunehmend anerkannt.

Eine Arbeitsgruppe um Lydie Wintz von der Universität Paris-Nord hat jetzt untersucht, welche Rolle solche Patienten in der Hämophilie-Schulung spielen könnten und welche Fähigkeiten für diese Aktivitäten erforderlich sind.

Die Arbeitsgruppe umfasste sieben Ärzte von Hämophilie-Zentren und drei Patienten, die der französischen Gesellschaft für Bluter (FAH) angehören. Bei ihrer Studie setzte sie die von der französischen Gesundheitsbehörde empfohlene Konsensus-Methodologie ein.

Die Rolle von Patienten bei der Schulung rund um die Hämophilie werde anerkannt, schreibt das Team. Patienten, die bei der Schulung ihrer Leidensgenossen mitwirken, würden als "Patienten-Ressourcen" bezeichnet.

Ein solcher Patient sollte erwachsen sein, freiwillig mitmachen und in derselben Region wie seine Schulungsteilnehmer leben. Kandidaten sollten von der FAH und Hämophilie-Zentren ausgewählt werden, empfiehlt die Arbeitsgruppe. Dabei sollte ihre Motivation, die Schulung anderer Patienten zu vereinfachen, ebenso eine Rolle spielen wie ihre psychologischen und pädagogischen Eignungen.

Ein solcher Tutor soll an Konzeption und Ausführung der Schulungsprogramme zur Therapie mitwirken. Zudem solle zwischen Ärzten und Patienten vermitteln. Dabei soll er sicher stellen, dass der Patient die Materie versteht und in der Lage ist, sein Wissen im Alltag anzuwenden. Seine Aktivitäten sollten von einer Art Berufsethik gesteuert werden.

Die Arbeitsgruppe hat sieben Kategorien von Fähigkeiten definiert, um präzise zu bestimmen, über welche Fähigkeiten ein solcher Patientenexperte verfügen muss. Eine Supervision der Patienten sei geplant, um reflexive Praktiken bei den Patienten zu verstärken, schreibt das Team um Wintz.

"Die Entwicklung des Gesundheitssystems hat dazu geführt, dass Patienten an der Therapie-Schulung teilnehmen", merken die Autoren noch an. "Dieses Phänomen ruft nach der Entwicklung eines Rahmenkonzepts und einer Auswertung der späteren Auswirkungen."

Quelle: Haemophilia, online erschienen am 18. Januar 2010