Ein winziges, genetische Informationen tragendes Teilchen legt unser Geschlecht fest, ist für lebenslange Krankheiten verantwortlich, greift in Abläufe unseres Körpers ein. Der Übeltäter, um den es geht, ist das X-Chromosom. Im Wechselspiel mit seinem Gegenpart, dem Y, beeinflußt das X in komplexer und subtiler Weise unser Leben – und vielleicht sogar die Ausrichtung unserer Sexualität. Das Wissen um das X-Chromosom hat das Nachdenken über Männlichkeit und Weiblichkeit grundlegend verändert, ja unsere Ansichten zur Entwicklung menschlichen Lebens überhaupt. David Bainbridge erzählt in seinem ursprünglich bei Harvard University Press erschienenen Buch die Geschichte dieses Mitglieds der Familie der Genome von der zufälligen Entdeckung im 19. Jahrhundert bis zum heutigen Stand der Forschung.

Mt eine gewagten Geschichte erklärt er z.B. das Auftauchen der Bluterkrankheit in der britischen Monarchie: in einer schwülen Sommernacht des Jahres 1818 ging Edward, Herzog von Kent, vierter Sohn des britischen Königs Georg III., nur mit einem Nachthemd bekleidet in seiner Bibliothek auf und ab, als ein energiereiches Teilchen kosmischer Strahlung seine Hoden traf und ein Loch in das X-Chromosom einer Zelle stanzte. Unglücklicherweise ging aus eben dieser Zelle genau das Spermium hervor, das wenig später eine Eizelle von Edwards frisch angetrauter Ehefrau befruchtete. Im Mai des folgenden Jahres kam Edwards Tochter Victoria auf die Welt: die künftige Königin des britischen Empires.

Fest steht, dass das defekte Gen auf dem X-Chromosom, das Victoria von ihrem Vater erbte, zu zahlreichen frühen Todesfällen in mehreren europäischen Königshäusern führte.

Der Autor David Bainbridge, geboren 1968, hat Zoologie und Veterinärmedizin an der Universität von Cambridge studiert.

David Bainbridge

Das X in Sex

Wie ein Chromosom unser Leben bestimmt

Klaus Wagenbach Verlag, Berlin 2005

ISBN 3803125073,

Kartoniert, 237 Seiten, 12,90 EUR