Hämophilie kann heute ausgezeichnet behandelt werden – doch die einzelnen Behandlungstermine, die mit Schmerzen verbunden sein können, werden nicht selten von Kindern wie Eltern gleichermaßen gefürchtet. Was können Eltern, Ärzte und Schwestern tun, um den Kindern die Angst vor Infusionen und Venenpunktur zu nehmen?

Beruhigen, Trösten, Ablenken – das gehört natürlich zum Standardrepertoire. Doch lässt sich noch mehr tun? Welcher Ansatz eignet sich für welches Alter? Mit diesen Fragen hat sich Elizabeth Fung vom Children's Memorial Hospital in Chicago befasst und entsprechende Fragebögen an 109 mit der Hämophilie-Therapie befasste amerikanische Sozialarbeiter verschickt.

Sie wollte folgendes wissen:

  1. Oft ist so etwas wie eine "therapeutische Unterhaltung" angebracht, um Kinder und Eltern zu beruhigen. Welche zusätzlichen Techniken können bei den Behandlungen eingesetzt werden?
  2. Welche Techniken werden empfohlen, um je nach Entwicklungsstand des Kindes Angst und Schmerzen angemessen zu lindern?
  3. Zu welchen Techniken besteht Schulungsbedarf?

Neunundzwanzig Sozialarbeiter schickten den ausgefüllten Fragebogen zurück. Sechsundzwanzig von ihnen gingen davon aus, dass sensorische und kinästhetische Techniken für Kinder bis zu fünf Jahren besser geeignet sind als für die älteren Kinder. Sensorisch bedeutet, dass die Sinnesorgane beteiligt sind. Kinästhetisch meint, dass die Wahrnehmung über Bewegung und Muskelempfindung erfolgt.

Kinder ab sechs Jahren könnten hingegen ausgezeichnet ihre eigene Vorstellungskraft benutzen, um mit angeleiteten Phantasiereisen, Entspannung oder Hypnose ihre Ängste in den Griff zu bekommen, so die Ansicht der Befragten.

Für die verschiedenen Altersstufen ergaben sich folgende Techniken:

  • 0-1 Jahre: Ablenkung durch Seifenblasen pusten, Spielzeuge, die die Sinne anregen oder blinken und eine tröstende Umarmung
  • 1-6 Jahre: Ablenkung wie bei den ganz Kleinen, Pop-up- oder Mit-Mach-Bücher, Spielen mit einem interessanten Spielzeug, die Aussicht auf eine Belohnung hinterher, Spiele mit der Atmung
  • 6-10 Jahre: Ablenkung durch Konversation/ kreatives Geschichten erzählen, Tiefenatmung, Fernsehen oder Videos gucken, angeleitete Phantasiereisen, Entspannung, Hypnose
  • ab 10 Jahren: Ablenkung, Musik hören, angeleitete Phantasiereisen, Entspannung, Hypnose

Außerdem machten die Sozialarbeiter Angaben zu den Techniken, die sie am häufigsten während der Behandlungen einsetzten:

  1. Übungen zur Tiefenatmung gekoppelt mit dem Spielen mit einem interessanten Spielzeug
  2. TV- oder Video-Programm, gekoppelt mit der Aussicht auf eine anschließende Belohnung
  3. angeleitete Phantasiereisen/Hypnose
  4. andere Ablenkungstechniken

Schulungsbedarf sahen die Befragten allerdings auch, und zwar in den Bereichen Entspannung/Hypnose (38 Prozent), angeleitete Phantasiereisen (31 Prozent) und Musiktherapie (27 Prozent). Wie effektiv diese Techniken sind, könnte in weiteren Studien durch die Rückmeldung der Eltern ermittelt werden.

"Die Auswahl der geeigneten Technik für ein bestimmtes Kind basiert auf der Beurteilung vieler individueller und Umweltfaktoren?, resümiert Elizabeth Fung. Der kreative Einsatz sensorischer Lösungen, die dem Entwicklungsstand entsprechen, könne die Angst eines Kindes vor einer schmerzhaften Maßnahme effektiv lindern. Er helfe, ein Gefühl für Bewältigung, Selbstberuhigung und Fähigkeit zur Schmerzlinderung aufzubauen.

Für die Eltern hat die Expertin noch einen weiteren Tipp parat: Sie können ihr Kind in seiner Bewältigungsfähigkeit besser unterstützen, wenn sie lernen, sich selbst zu entspannen.

Sind die Kinder in der Lage, mit schmerzhaften medizinischen Maßnahmen umzugehen, stärkt das nicht nur sie, sondern auch ihre Eltern und gibt ihrer Zuversicht einen unglaublichen Schub, wie Fung unterstreicht.

Quelle: Haemophilia 2009; 15 (2): 635-6

Highlighted abstracts from the 60th Annual Meeting of the National Haemophilia Foundation, November 2008