Chronische Erkrankungen gehen häufig mit niedrigen Vitamin-D-Werten einher. Dabei ist nicht bekannt, ob das daran liegt, dass die Erkrankung die Vitamin-D-Konzentrationen reduziert oder die Betroffenen sich nicht genug an der frischen Luft aufhalten (Vitamin D wird bei Sonneneinstrahlung in der Haut gebildet). Die Vitamin-D-Werte finden zunehmend Beachtung, da – neben seiner entscheidenden Rolle bei der Knochenmineralisierung – immer mehr Funktionen des Vitamins entdeckt werden.

Außerdem haben in jüngerer Vergangenheit gleich mehrere Untersuchungen einen Zusammenhang zwischen Hämophilie und Osteoporose belegt. Infektionen mit HIV und dem Hepatitis-C-Virus, die bekanntlich durch verunreinigte Plasmaprodukte auf viele Menschen mit Hämophilie A übertragen wurden, sind mit einem erhöhten Risiko für Osteoporose verbunden. Das gleiche gilt für ihre Therapien.

Daher bestand das Ziel der aktuellen Studie darin, bei hämophilen Patienten ohne oder mit Koinfektionen die Vitamin-D-Werte, die Merkmale (Marker) für den Knochenstoffwechsel und die Knochendichte zu bestimmen.

Dazu teilten die Wissenschaftler um Dr. Silvia Linari vom Universitätsklinikum Florenz 78 erwachsene Patienten mit schwerer Hämophilie A oder B in drei Gruppen (koinfiziert, monoinfiziert und ohne Infektion) zu je 26 Patienten ein. Als "koinfiziert" bezeichneten sie die Patienten, die gleichzeitig mit HIV und HCV infiziert waren, als "monoinfiziert" diejenigen mit ausschließlicher HCV-Infektion.

Die Knochendichte wurde mit der DXA-Methode sowohl im Bereich des Oberschenkels als auch an der Lendenwirbelsäule gemessen. Dieser Wert wurde in Bezug zu Laborwerten gesetzt. Außerdem wurden die hämophilen Gelenkschäden (Arthropathie) anhand von klinischen und Röntgenuntersuchungen beurteilt.

Wie die Auswertung zeigte, war die Knochendichte am Oberschenkel in allen drei Gruppen gleichermaßen reduziert. Die Knochendichte an der Lendenwirbelsäule war hingegen bei koinfizierten Patienten niedriger.

Was Gelenkschäden betraf, so war der in klinischen Untersuchungen ermittelte Wert bei den ko- und monoinfizierten Patienten höher. Der per Röntgenbild ermittelte Wert lag hingegen bei den monoinfizierten Patienten höher als in den beiden anderen Gruppen.

Bei der Mehrheit der Patienten (87%) waren die Vitamin-D-Werte reduziert. Die knochenspezifische alkalische Phosphatase (ein Merkmal für einen gesteigerten Knochenstoffwechsel) und das Telopeptid (ein Kennzeichen für Knochenabbau) waren bei ko- und monoinfizierten Patienten erhöht.

Dass in allen Gruppen die Knochendichte am Oberschenkel reduziert war, konnte durch die entscheidende Rolle der Arthropathie erklärt werden.

Die niedrigere Knochendichte an der Lendenwirbelsäule und die Zunahme der knochenspezifische alkalische Phosphatase und des Telopeptids in den ko- und monoinfizierten Gruppen sprechen für einen schnelleren Knochenstoffwechsel, wenn Infektionen vorliegen.

Als Konsequenz aus diesen Ergebnissen ist es für hämophile Menschen sicherlich ratsam, viel an die frische Luft zu gehen und ihren Vitamin-D-Spiegel abklären zu lassen. Ist dieser zu niedrig, kann der Arzt eine Nahrungsergänzung mit Vitamin D empfehlen.

Quelle: Haemophilia 2012; online erschienen am 09.07.2012; DOI: 10.1111/j.1365-2516.2012.02899.x