JENA (Biermann) – Auch bei hämophilen Jungen und Männern müssen hin und wieder Zähne gezogen werden. Keine einfache Situation – sowohl für die Patienten als auch für die behandelnden Zahnärzte oder Kieferchirurgen, die in ihrem Alltag nicht oft mit einer Gerinnungsstörung konfrontiert werden.

Um konkret aufzuzeigen, wie hoch das Risiko bei hämophilen Patienten ist, nach operativen Eingriffen im Mund Blutungen zu erleiden, stellte jetzt ein Zahnmediziner-Team um Dr. André Peisker von der Klinik und Poliklinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie/Plastische Chirurgie am Universitätsklinikum Jena seine Erfahrungen in einer Fachzeitschrift vor.

Zwischen 2007 und 2012 zogen die Zahnärzte in 19 Sitzungen 58 Zähne bei 15 Patienten mit Hämophilie A oder B. Die Substitutionstherapie mit rekombinantem und aus Plasma stammendem Faktor VIII beziehungsweise IX wurde systematisch in Kombination mit einer antifibrinolytischen Therapie und lokalen Maßnahmen zur Blutstillung eingesetzt. „Antifibrinolytisch“ bedeutet, dass die Auflösung von Fibrin und damit die Entstehung von Blutungen gehemmt werden.

Zwei Patienten erlitten nach dem Eingriff Blutungen: Ein Patient hatte Folgeblutungen, die eine zusätzliche Injektion von Faktorkonzentrat erforderten. Der andere litt unter Nasenbluten, das mit einer Nasentamponade behandelt werden konnte.

Aus ihren Erfahrungen ziehen Peisker und seine Kollegen den Schluss, dass bei Patienten mit Hämophilie A und B nach Zahnextraktionen eine ausgezeichnete Blutstillung erreicht werden kann, wenn ein Protokoll befolgt wird, bei dem festgelegte Dosen von Faktorkonzentrat vor und nach dem Zähne ziehen mit blutstillenden Maßnahmen kombiniert werden.

Quelle: Med Oral Patol Oral Cir Bucal. 2013 Oct 13. [Epub ahead of print]