Wenn Dinge "Hallo" sagen können

RFID-Technik wirkt noch immer geheimnisvoll, und als Barcode-Ersatz ist sie nicht überall wohl gelitten. Im Gesundheitsbereich aber kann sie Leben retten und die Sicherheit von Medikamenten erheblich erhöhen.

"SmartLabel_PRO"
Aufkleben genügt: ein RFID-Etikett mit Klebeschicht

Im Grunde steckt hinter der RFID-Technik ein ganz einfaches Prinzip. Die RFID-Chips spielen eine ähnliche Rolle wie die Streifen-Etiketten oder "Barcodes", die sich heute auf fast jedem Produkt im Supermarkt finden. Die einfachsten RFID-Chips enthalten in maschinenlesbarer Form eine lediglich eindeutige Nummer, anhand derer ein Lesegerät sie eindeutig erkennt. Im Geschäft könnte dies wie mit den Barcodes an der Kasse geschehen – der Clou ist aber, dass sich RFID-Chips im Gegensatz zu Barcodes über eine geringe Distanz per Funk auslesen lassen. Man muss mit keinem Scanner auf ein Etikett zeigen, um ihre Informationen auszuwerten, und man muss sie auch nicht berühren. Einzelhändler hoffen darauf, so die Produkte eines ganzen Einkaufswagens einfach im Vorbeischieben registrieren und auf die Rechnung drucken zu können.

Das Herz dieser Technik sind kleine Computerchips mit Antenne, die in winzigen Gehäusen untergebracht oder mit neuen Techniken sogar wie Buchstaben auf Etiketten gedruckt werden können. Sie haben keine eigene Energiequelle – wenn ein spezielles Lesegerät sie anfunkt, reicht ihnen die dabei ausgestrahlte Energie, um ihre Informationen zurückzusenden.

Die Datenschutzbedenken, die mit RFID verbunden werden, beruhen primär auf der Anwendung in Einzelhandel und speziell darauf, dass theoretisch auch ein Fremder mit einem Lesegerät RFID-Chips in Ihren Taschen anfunken und so deren Informationen auslesen könnte. Dass könnte peinlich sein – aber gegen diese Gefahr helfen ganz einfache Maßnahmen: Die Chips entfernen, deaktivieren oder schlicht in eine Metallfolie wickeln. Bessere Chips können ihre Daten auch verschlüsseln, so dass ohnehin kein Unberechtigter an die enthaltenen Informationen kommt.

Mehr Sicherheit für Klinikpatienten

"RFIDLabel"
Frisch von der Rolle: Barcode und RFID zum Abziehen

Dass RFID speziell im Gesundheitswesen viele Probleme löst, Behandlungen verbessert und sogar Leben retten kann, liegt ebenfalls an der Lesbarkeit der RFID-Informationen aus einer gewissen Distanz. Was man im Extremfall damit anstellen kann, testet zum Beispiel das renommierte Klinikum Rechts der Isar in München: Hier stattet man Gegenstände im Operationssaal mit den Funketiketten aus – sogar die speziellen Tücher, die die Ärzte während der Operation tief die Wunden der Patienten schieben müssen. RFID sorgt dabei dafür, dass alles, was während der Operation benutzt wird, vorher und nachher registriert wird. Ein in einer Wunde vergessenes Tuch oder Skalpell würde sofort auffallen und sich gegebenenfalls bemerkbar machen.

Darüber hinaus ließe sich zum Beispiel registrieren, ob und wann jedes einzelne Instrument beispielsweise in der Desinfektion war. Die RFID-Lesegeräte im Operationssaal könnten Alarm schlagen, wenn sie beispielsweise eine Wundzange entdecken würden, die nach der letzten Operation offenbar nicht gereinigt wurde. All dies verringert die Risiken für die Patienten.

"UniversalLeaf"
Temporärer Begleiter: RFID-Kennzeichnung in einer Papplasche

Innerhalb der Kliniken gibt es noch mehr sinnvolle Einsatzbereiche für RFID-Etiketten. Rüstet man damit beispielsweise die Infusionsgeräte oder andere technische Hilfsmittel aus, die fast an jedem Bett stehen, lässt sich innerhalb der Klinik sehr einfach verfolgen, welcher Apparat sich gerade in welchem Zimmer und bei welchem Patienten befindet. Dazu nutzt man beispielsweise mobile Lesegräte und solche, die etwa in Türdurchgängen angebracht sind und jedes hindurch geschobene Gerät registrieren. Manchmal verbindet man RFID hier auch mit anderen Funk-Lokalisierungstechniken wie etwa WLAN. Dabei geht es nicht nur darum, wichtige und seltene Geräte im Notfall schnell herbeizuschaffen. Ist eines der Geräte beispielsweise fällig für die routinemäßige Wartung, lässt es sich ebenfalls ohne langes Suchen ausfindig machen. Mit der Sicherheit der Wartung steigt aber auch die Zuverlässigkeit, was wiederum den Patienten zugute kommt – und die Klinik spart Geld und die Zeit, die durch langwieriges Fahnden nach einzelnen Geräten vergeudet würden, für wichtigere Aufgaben.

Armbänder mit RFID-Chips können auch die Sicherheit für schwer kranke Patienten innerhalb einer Klinik erhöhen, die befürchten müssen, dass sie sich nicht immer über sich selbst und ihre Behandlung Auskunft geben können. Ist ein solcher Patient bewusstlos, kann selbst ein Arzt, der ihn nicht kennt, über den RFID-Chip und die Krankenhausdatenbank in Sekunden feststellen, wen er vor sich hat, woran die Person leidet und wie sie gerade behandelt wird. Falsche Eingriffe oder Medikationen können so effektiv ausgeschlossen werden. Im Falle einer Operation, bei der der Patient narkotisiert ist, verringert die berührungslose Erkennungstechnik die Gefahr, das der Arzt den Patienten falsch zuordnet und womöglich fehlerhaft operiert – das Armband "spricht" in diesem Fall in Zusammenarbeit mit der Klinikdatenbank für ihn, ohne dass jemand ein Etikett, ein Patientendatenblatt oder Notizen gezielt lesen müsste.

Und geht ein kritischer Patient einmal "verloren", kann RFID ebenfalls helfen. Der Kranke lässt er sich mit der gleichen Lokalisierungstechnik ausfindig machen, die schon bei den medizinischen Geräten beschrieben wurde. Dieselben Vorteile gelten allerdings auch für Neugeborene – und für Ärzte, die im Notfall ebenfalls schnell aufgefunden werden müssen. Da all diese Lokalisierungen nur innerhalb der klinischen Einrichtungen geschehen, für die ohnehin hohe Datenschutzanforderungen gelten, gibt es bei diesen Anwendungen auch weniger Konflikte mit dem Datenschutz: In der Klinik überwiegt das Interesse an der Heilung, und im korrekten Umgang mit Patientendaten und Datenschutzvorschriften sind heutige Kliniken ohnehin bestens geschult.

RFID für Medikamente

"SmartLabelMed_ISO"
Einfach abziehen: RFID-Aufkleber können sehr dünn gefertigt werden

Mit hilfreichen Medikamenten verbinden sich leider auch eine Reihe von Gefahren für die Patienten. Eine davon ist die, möglicherweise gefälschten Präparaten aufzusitzen, die im einfachsten Fall nicht helfen und im schlimmsten Fall zusätzlichen Schaden verursachen. Die Pharmaindustrie prüft deshalb zurzeit die Ausstattung ihrer echten Produkte mit fälschungssicheren Funketiketten, die auf dem ganzen Weg von der Herstellung bis zur Einnahme jederzeit überprüft werden könnten. Bei diesen Überlegungen spielen auch Konzepte eine Rolle, nach denen in Zukunft jeder Verbraucher ein RFID-Lesegerät besitzen könnte – etwa eingebaut in sein Handy. So wäre auch der Patient in der Lage, geschützte Informationen einer Medikamentenpackung auszulesen und bei Zweifel an der Echtheit oder anderen Eigenschaften den Hersteller zu kontaktieren.

In der Klinik ließe sich vor einer Medikamentengabe automatisch kontrollieren, ob Patient, Präparat und Einnahmezeitpunkt laut Behandlungsplan zusammenpassen, um fehlerhafte Verabreichungen zu vermeiden. Verwenden lässt sich die Technik darüber hinaus auch für Blut- und andere Proben, die eindeutig bestimmten Patienten zugeordnet sein müssen. Die berührungslose Technik erhöht in all diesen Fällen auch die Effektivität der Bearbeitung, da weniger häufig Daten "von Hand" übertragen werden müssen, und reduziert daraus resultierende Fehlerquellen.

"RFID
Für harte Einsätze: RFID-Etikett im stabilen Plastikgehäuse

Für all die bisher beschriebenen Anwendungen reichen sehr einfache RFID-Chips, die außer einer Seriennummer und wenigen weiteren Daten nichts speichern können. Aufwändigere Exemplare der Funkchips lassen sich aber zusätzlich etwa mit Temperatursensoren ausstatten. Solche RFID-Chips sind dann in der Lage, etwa während des Wegs eines Medikaments vom Produzenten bis zum Patienten festzuhalten, ob die Stoffe auch nie zu warm oder zu kalt gelagert wurden. Das gleiche gilt für Blut- und andere Proben.

Insgesamt kann RFID im Gesundheitssektor also eine ganze Reihe von Fehlerquellen reduzieren und Abläufe effizienter gestalten – ein Resultat, dass gerade angesichts des Kostendrucks hoffnungsvoll stimmt.

(Fotos mit freundlicher Genehmigung von Intermec Technologies)