WESTLAKE VILLAGE (BIERMANN) – "Sicher soll es sein!" Auf diesen einfachen Nenner lässt sich der wichtigste Anspruch bringen, den hämophile Patienten oder Eltern hämophiler Jungen an ein Faktor-VIII-Präparat haben. Nach den großen Katastrophen mit HIV- und HCV-kontaminierten Präparaten ist es heute vor allem das Infektionsrisiko, das – zumindest in den Augen von Patienten und Eltern – über die Auswahl eines FVIII-Präparats entscheidet.

Dieses Ergebnis stammt aus einer Internet-basierten Umfrage in den USA, bei der erwachsene Patienten oder die Eltern von Kindern mit schwerer Hämophilie zu Wort kamen. Das Infektionsrisiko war ihnen sechsmal wichtiger als der Prozentsatz der Blutungen, die mit einer oder zwei Infusionen gestoppt werden und 2,7-mal so wichtig wie die Wahrscheinlichkeit, einen Inhibitor zu entwickeln.

Diese scheinbar merkwürdigen Antworten kamen durch die Fragestellung zustande, mit der untersucht wurde, welche Kompromisse die Befragten wofür in Kauf nehmen würden. Auf diese Weise wollten A. F. Mohamed vom Research Triangle Park in Westlake Village und seine Kollegen nicht nur herausfinden, wo die Vorlieben hämophiler Patienten oder ihrer Eltern liegen, sondern auch, wie wichtig ihnen die Behandlungseigenschaften in Relation zueinander sind.

Neben dem Risiko für eine Virusinfektion gab es aber auch noch andere Behandlungsattribute, die den 147 Befragten wichtig sind. An zweiter Stelle folgte die Wahrscheinlichkeit, einen Inhibitor zu entwickeln. Mit abnehmender Bedeutung kamen dann die erhältlichen Dosisstärken, der Prozentsatz der Blutungen, die mit einer oder zwei Infusionen gestoppt werden können, eine frühere Versorgungsknappheit und das Zubereitungsvolumen.

Quelle: Haemophilia. 2010 Nov 11. doi: 10.1111/j.1365-2516.2010.02411.x. [Epub ahead of print]