NEW YORK (BIERMANN) – Was können die Eltern tun, um ihren hämophilen Kinder die so wichtigen Infusionen zu erleichtern? Mit diesem Thema befasst sich das aktuelle Magazin Hemaware der US-amerikanischen National Hemophilia Foundation und gibt unter dem Titel "Needle Know-How" konkrete Ratschläge.

"Es geht um die Frage, das Kind so umzuschulen, dass es anders über die beteiligte Angst denkt und darum Bewältigungsstrategien zu identifizieren, die eingesetzt werden können, um dem Kind zu helfen, seine Angst zu überwinden", erläutert Jennifer Buttell vom Louisiana Comprehensive Hemophilia Care Center an der Tulane University in New Orleans.

Während die Angst vor Infusionen eher ein psychologisches Problem ist, ist das Unbehagen durch Nadelstiche ein körperliches, legt Dr. Guy Young, Direktor des Hemostasis and Thrombosis Center am Childrens Hospital Los Angeles dar. Ganz ohne Schmerz kann eine Injektion mit einer Nadel nicht ablaufen. Laut Young sollte die Nadel, wenn sie nach dem Einstich die Vene richtig getroffen hat, nicht mehr schmerzen.

Schmerzhafter wird es allerdings, wenn das Kind nicht still hält oder die Eltern aus anderen Gründen versehentlich nicht die Vene treffen: Denn wird Flüssigkeit in das weiche Gewebe um die Vene herum injiziert, kann der Druck der Flüssigkeit in den kleinen Raum Nerven und Gewebe schädigen. Doch von langfristigen Nervenschäden höre man so gut wie nie, beruhigt Young.

Die Experten raten für die Infusion zu einem ruhigen Raum mit gedämpftem Licht, ein sehr heller Raum zum Beispiel könne zu Stress führen. Eltern sollten ihr Kind ruhig ermutigen, während der Infusionen nicht auf die Nadel zu schauen.

Damit die Venen leichter zu finden sind, sollte das Kind ausreichend getrunken haben und falls möglich vorher eine warme Dusche nehmen (das erweitert die Venen). Empfehlungen geben die Fachleute auch bei der Wortwahl: statt "schmerzhaft" oder "weh tun" lieber "unangenehm", statt "brennen" lieber "warm".

"Damit helfen Sie dem Gehirn, ein anderes Signal zu senden – dass Sie OK sind, dass es etwas ist, womit Sie fertig werden", erläutert Kinderspsychologin Dr. Heather Huszti, vom Children's Hospital of Orange County Hemophilia Treatment Center in Orange, Kalifornien. Sie rät Eltern dringend davon ab, ihr Kind zu belügen: "Wenn Sie ihm sagen, dass es nicht weh tun wird, wird der Schmerz ein Schock sein und es wird sich betrogen fühlen."

Ein Trick besteht auch darin, dass Eltern sich von ihren Kindern mit einer sauberen Nadel pieksen lassen: Wenn die Kinder sehen, dass die Erwachsenen gut damit umgehen, fühlen sie sich ermutigt.

Möglicherweise hat Ihr Kind weniger Angst vor der Nadel an sich, sondern mehr davor, ihren Körper nicht mehr unter ihrer eigenen Kontrolle zu haben. Der Experten-Tipp: Lassen Sie Ihr Kind über die Rahmenbedingungen der Infusion entscheiden – dass die Infusion erfolgen muss, steht dabei aber nicht zur Debatte!

Einigen Kindern könnte auch ein langsames Vorgehen mit Entspannungstechniken helfen, wobei sie sich darüber klar werden können, vor welchem Schritt des Infusionsprozesses genau sie Angst haben. "Ich frage nach dem Grad ihrer Angst", schildert Huszti. "Wenn es eine Sechs ist, arbeiten wir daran, dies auf eine Zwei herunter zu bekommen."

Quelle: Hemaware, Juli 2010