Bei zehn bis 15 Prozent der Menschen mit – genetisch betrachtet – schwerer Hämophilie fällt die Erkrankung überraschenderweise leicht aus. Warum das so ist, haben Forscher bislang nicht vollständig verstanden.

Ein Team um G. R. Jayandharan vom Christian Medical College in Vellore, Indien, stellte nun die Hypothese auf, dass Genvarianten in verschiedenen Gerinnungsfaktoren die Blutungshäufigkeit beeinflussen. Zudem nahmen sie an, dass funktionell bedeutsame Genvarianten in Genen für Entzündung und Immunregulation ebenfalls zu Variationen beim Ausmaß der Gelenkschäden beitragen könnten.

Deshalb untersuchten die indischen Wissenschaftler diese Variablen bei Patienten mit schwerer Hämophilie, die als "leicht" oder "schwer" eingestuft wurde. Als "leicht" galt die Erkrankung bei weniger als fünf Blutungen im vorangegangenen Jahr, klinischen Scores der World Federation of Haemophilia von unter zehn und Patterson-Scores (als Maß für die Gelenkschäden) unter zehn. In diese Kategorie fielen 14 Patienten, bei den 100 übrigen galt die Ausprägung der Hämophilie als "schwer".

Bei jedem der Betroffenen wurden insgesamt 53 Parameter auf ihren Zusammenhang mit der klinischen Schwere der Hämophilie hin untersucht. Alter, Faktor VIII C-Aktivität und die Häufigkeit des Auftretens thrombotischer Marker waren zwischen den Gruppen vergleichbar.

Die mediane Zahl der Blutungen, die Zahl der betroffenen Gelenke, die klinischen, radiologischen und funktionellen Gelenk-Punktwerte sowie der lebenslange Verbrauch an Gerinnungsfaktor unterschieden sich hingegen.

Die Auswertung zeigte, dass Patienten mit schweren molekularen Defekten in den untersuchten Genen ein 4,1fach erhöhtes Risiko für einen schweren Phänotyp hatten, verglichen mit anderen Mutationen.

Von den untersuchten Genvarianten war der Faktor VII 353Q-Polymorphismus mit einer klinisch schweren Ausprägung der Hämophilie verbunden.

"Diese Daten zeigen, dass neben dem Genotyp von Faktor VIII/Faktor IX funktionelle Genvarianten im Faktor VII-Gen den Phänotyp von Patienten mit schwerer Hämophilie beeinflussen", bilanzieren die Autoren.

Diese Studie ist online am 16. August 2009 in der Fachzeitschrift Haemophilia erschienen.

Quelle: Haemophilia, Early View, published online: 16. Aug 2009