LIESTAL (BIERMANN) – Schon im zarten Alter von zwei bis fünf Jahren können bei Hämophilie die immer wiederkehrenden Blutungen ins Sprunggelenk einsetzen und mit den Jahren zu hämophiler Arthropathie führen.

Bislang bestand die Standardbehandlung für Arthrose im Endstadium bei hämophilen Patienten in der Fusion des Sprunggelenks. Doch eine solche Fusion kann langfristig zu degenerativen Veränderungen in den benachbarten Gelenken führen, so dass weitere Fusionsoperationen nötig werden.

Der Totalersatz des Sprunggelenks als Behandlungsoption ist allerdings nach wie vor umstritten. Das Infektionsrisiko bei Hämophilie-Patienten nach einem Gelenkersatz beträgt fast 15 Prozent. Außerdem sollen in dieser Patientengruppe die Risiken für nicht durch Infektionen bedingte Lockerungen, tiefe Infektionen und unerwünschte Knochenbildung erhöht sein.

Die Gründe dafür sind unklar, aber möglicherweise spielen eine schlechte Knochenqualität und ein erhöhtes Risiko für Mikroblutungen an der Schnittstelle Knochen/Prothese eine Rolle.

Das Ziel dieser vorausblickenden Studie von Dr. Alexej Barg vom Kantonsspital Liestal, Schweiz, und seinen Kollegen bestand darin, mittelfristig zu schauen, wie es hämophilen Patienten geht, die mit einem Totalersatz des Sprunggelenks behandelt wurden. Genauer gesagt, wurde ihnen eine Dreikomponentenprothese eingesetzt.

Zehn hämophile Sprunggelenke bei acht Patienten (Durchschnittsalter 43,2 Jahre, Spanne 26,7-57,5), die mit einem Totalersatz des Sprunggelenks behandelt wurden, wurden dabei mindestens 2,7 Jahre lang beobachtet (Durchschnitt: 5,6, Spanne 2,7-7,6).

Während und in der Zeit um die Operation herum gab es keine Komplikationen. Der AOFAS-Hindfoot-Score (0-100 Punkte; 0 = schlechtester Wert; 100 = bester Wert) stieg von 38 (Spanne 8-57) vor der Operation auf 81 (Spanne 69-95) nach der Operation. Alle Patienten waren mit den Ergebnissen zufrieden.

Vier Patienten wurden schmerzfrei. In der gesamten Patientengruppe sank der Grad der Schmerzen von 7,1 (Spanne 4-9) vor der Operation auf 0,8 (Spanne 0-3) nach der Operation. Auch ihre Lebensqualität verbesserte sich in allen Bereichen

"Für Patienten mit hämophiler Arthrose des Sprunggelenks stellt der Totalersatz des Sprunggelenks eine wertvolle Behandlungsalternative zur Gelenksfusion dar", stellen die Autoren fest. Sie unterstreichen aber, dass eine solche Operation in die Hand eines guten Fuß- und Knöchel-Chirurgen gehört, der von einem erfahrenen Hämatologen unterstützt werden muss.

Quelle: Haemophilia (2010) online erschienen am 16. März