LONDON (Biermann) – In der Literatur sind bei kleinen Jungen mit schwerer Hämophilie im Vergleich zu gleichaltrigen gesunden Jungen veränderte Gangmuster, schwache und verkürzte Muskeln beschrieben worden.

Daher machten sich Dr. David Stephensen von der University of East London und seine Kollegen daran, zu klären, ob Größe und Aufbau des äußeren Bauches des Zwillingswadenmuskels die Gangmuster von hämophilen Jungen beeinflussen. Außerdem wollten die Forscher wissen, ob sich diese Beziehungen von jenen bei Jungen ohne Hämophilie gleichen Alters unterscheiden.

Zu diesem Zweck zeichneten die Wissenschaftler bei 19 gesunden Jungen zwischen sieben und zwölf Jahren sowie 19 Gleichaltrigen mit Hämophilie, die schon einmal eine Blutung im Sprunggelenk hatten, folgendes auf: die biomechanische Funktion von Knie und Sprunggelenk beim Gehen auf flachem Grund, die Querschnittsfläche des äußeren Bauches des Zwillingswadenmuskels, Dicke, Breite, Länge des Muskelfaserbündels, den Fiederungswinkel (zwischen Muskel und Sehne) und die Muskelkraft der sogenannten Plantarflexoren.

Als Fiederung bezeichnen Mediziner die Anordnung der Muskelfasern eines Muskels in Bezug auf seine Sehne. Bei der Plantarflexion wird der Fuß in Richtung Fußsohle gebeugt.

Die Forscher verglichen die Zusammenhänge zwischen Gang, Kraft und Muskelaufbau. Dabei beobachteten sie, dass hämophile Jungen mit größeren Dorsalflexionswinkeln und Kniebeugungsmomenten gingen. Mit Dorsalflexion ist die Beugung des Fußes in Richtung Fußrücken gemeint.

Die Plantarflexoren am Sprunggelenk hämophiler Jungen waren schwächer und kleiner als bei gesunden Gleichaltrigen. Bei den gesunden Jungen gab es keinen offensichtlichen Zusammenhang zwischen Muskelaufbau, Kraft und Gangmuster.

Hingegen hingen bei hämophilen Jungen die maximale Muskelkraft und das Drehmoment an den Plantarflexoren – zusammen mit Muskelbreite, Dicke, Länge des Muskelfaserbündels und Winkelung – mit der Bewegung am Sprunggelenk und den maximalen Beugungsmomenten am Kniegelenk zusammen.

Das Fazit der Wissenschaftler: Den zentralen biomechanischen Veränderungen beim Gangmuster hämophiler Jungen, die schon eine Sprunggelenksblutung hatten, liegen möglicherweise eine verringerte Muskelkraft der Plantarflexoren am Sprunggelenk und Veränderungen von Muskelgröße und -architektur zugrunde.

Quelle: Haemophilia, online erschienen am 22.11.2013; dx.doi.org/10.1111/hae.12317