In einem neuen Artikel empfehlen US-Forscher Frauen mit Carrier-Status und hämophilem Fötus einen Kaiserschnitt. Diese Empfehlung widerspricht dem Ergebnis einer aktuellen Übersichtsarbeit, der zufolge das Risiko für schwere Blutungen beim hämophilen Neugeborenen bei einer normalen vaginalen Entbindung gering ist und diese daher bevorzugt werden sollte (wir berichteten).

Dr. Andra H. James vom Duke University Medical Center in Durham und K. Hoots vom National Institute of Health in Bethesda plädieren für den geplanten Kaiserschnitt, da bei einer geplanten vaginalen Entbindung das Ergebnis nicht vorhergesagt werden kann. Sowohl eine anomale Geburt als auch eine vaginal-operative Entbindung würden das Risiko für eine Hirnblutung des Säuglings erhöhen.

Darüber hinaus würde eine vaginale Entbindung nicht das Risiko der Hämophilie-Trägerin selbst eliminieren. "Ein Kaiserschnitt wird heute unter Bedingungen empfohlen oder gewählt, in denen der potenzielle Nutzen nicht annähernd so groß ist", schreiben James und Hoots.

Der Kaiserschnitt reduziere das Risiko für eine Hirnblutung um geschätzte 85 Prozent. Durch einen Wunsch-Kaiserschnitt vor dem Entbindungstermin könne das Risiko fast eliminiert werden. Nach Besprechung der Risiken für Mutter und Kind, die eine geplante vaginale Entbindung bzw. ein geplanter Kaiserschnitt mit sich bringen, sollte Frauen mit Carrier-Status ein Wunsch-Kaiserschnitt angeboten werden, bilanzieren die Autoren.

Quelle: Haemophilia (2009), online erschienen am 16. Dezember