DURHAM (Biermann) – Hat sich seit der Veröffentlichung der Joint Outcome Study (JOS) im Jahr 2007 bei der Verschreibung der Prophylaxe an US-amerikanische Kinder und Jugendliche etwas verändert? Das wollten Wissenschaftler um Dr. Courtney D. Thornburg vom Duke University Medical Center in Durham wissen.

"Unsere Ergebnisse zeigen erstmals, dass die zwischen dem Alter von sechs und 30 Monaten begonnene Prophylaxe effektiv Gelenkblutungen verhindert und die Gelenkfunktion und -struktur bei kleinen Jungen mit Hämophilie A erhält", hatte Studienleiterin Prof. Marilyn J. Manco-Johnson damals das Fazit der JOS erläutert.

Das primäre Ziel der Prophylaxe bei Patienten mit schwerer Hämophilie besteht darin, den Phänotyp von schwerer zu mittelschwerer Hämophilie umzuwandeln und der Entwicklung chronischer Gelenkschäden vorzubeugen.

Frühere Studien hätten gezeigt, dass die Prophylaxe die Episoden mit Gelenkblutungen und chronische Gelenkschäden reduziert, schreiben die Autoren. Wie effektiv sie ist, hängt von ihrer Verschreibung und der Therapietreue der Patienten ab.

Thornburg und ihre Kollegen schickten Ärzten an 128 US-amerikanischen Hämophilie-Zentren, die hämophile Kinder versorgen, einen Fragebogen in elektronischer oder gedruckter Form zu. Davon antworteten insgesamt 56 (44 Prozent).

Alle Antworten stimmten mit den Ergebnissen der JOS überein und 30 von 55 (55 Prozent) gaben an, die JOS habe ihre Verschreibung von Prophylaxe gesteigert. Es gab aber auch besorgniserregende Antworten: So gaben 19 von 56 (34 Prozent) Ärzten oder Angestellten der Hämophilie-Zentren an, sie hätten innerhalb des vergangenen Jahres aufgrund von Bedenken bezüglich der Therapietreue keine Prophylaxe verschrieben. Die gleiche Anzahl gab an, sie hätten die Prophylaxe aufgrund solcher Bedenken innerhalb des vergangenen Jahres gestoppt.

In Bezug auf die Therapietreue zeigte sich ein Trend: Die vorhergesagte Therapietreue nahm mit zunehmendem Alter ab.

"Die Verschreibung der Prophylaxe scheint seit der Publikation der JOS zuzunehmen", bilanzieren die Forscher um Thornburg. Strategien, mit denen man die Patienten zu einer besseren Therapietreue bewegen könnte, könnten möglicherweise auch die Verschreibung der Prophylaxe durch den Arzt wahrscheinlicher machen.

Außerdem könnten solche Strategien es einfacher machen, die Prophylaxe bei den einzelnen Patienten zu implementieren und so langfristig die Gesundheit von Kindern und Erwachsenen mit Hämophilie zu verbessern, vermuten die Forscher.

Quelle: Haemophilia, online erschienen am 15. Februar 2012; 10.1111/j.1365-2516.2012.02756.x