"FAKTOR Die Zukunft ist schon da: Wer will, kann mit Triple-Play über eine einzige Leitung telefonieren, ins Internet gehen und fernsehen. Für den Verbraucher rechnet sich so ein Komplettpaket und praktisch ist es auch: Man kann oft kostenlos Ortsgespräche führen und seine Lieblingssendung sehen, wann immer man will.

Beitrag entnommen aus unserem Magazin FAKTOR (Ausgabe Nr. 02, November 2006), dem Magazin rund um das Thema Sicherheit.

In vielen Familien heißt es abends um acht für die Kinder: "Still jetzt! Die Nachrichten kommen!" Bei der Tagesschau sitzen noch immer ein Drittel der Fernsehzuschauer zu einer festen Zeit vor dem Bildschirm, mit über sieben Millionen Zuschauern schaut die Sendung fast jeder zehnte Bundesbürger. Was viele nicht wissen: Sie können sich die Sendung im Internet auch später noch ansehen. Die Tagesschau ist als Video on Demand, also als kleine, herunterladbare Video-Datei, im Netz zu haben. Wenn auch das Fernsehen über die Telefonleitung kommt, wird es noch flexibler.

Dann kann man Sendungen zeitversetzt ansehen oder sogar unterbrechen und wieder aufnehmen, wann immer man möchte. Bisher bekommen die meisten Deutschen das Telefon über eine analoge oder ISDN-Leitung, das Internet über einen DSL-Anschluss und Fernsehen über Kabel oder Antenne. Mit Triple-Play sollen diese drei Medien in einer einzigen Leitung gebündelt werden.

Vor allem beim Fernsehen wird sich dann einiges verändern. Fast die Hälfte der Deutschen interessiert sich für die neue Technik, sie freuen sich vor allem auf zeitversetztes Fernsehen, also das Ansehen von Filmen und Sendungen ohne festgelegten Sendezeitpunkt. Auch eine online verfügbare Videothek finden viele Konsumenten spannend. Sie würde den Gang zum DVD Verleih ersparen, denn der Kunde kann die Filme über das Internet aussuchen und sofort im Anschluss ansehen.

Wer bei "Wer wird Millionär?" schon immer mitgeraten hat, wäre mit Triple-Play ganz nah dabei: Bisher ist das Fernsehkabel eine Einbahnstraße zum Kunden. Doch mit digitaler Technik wäre ein "Rückkanal" dafür zuständig, das man bei Spieleshows nicht zum Telefon greifen muss, sondern per Fernbedienung mitmachen kann.

Sicherheit für Eltern

Derzeit kämpfen sowohl Kabelnetzbetreiber als auch Telefonanbieter um die Gunst der Kunden. Sie machen den Konsumenten die neue Technik mit günstigen Einsteigerpaketen schmackhaft. Die ersten deutschen Triple-Play-Pakete sind "Alice Home TV" von Hansenet und "T-Home" von der Telekom. Sie enthalten derzeit eine schnelle Internet-Verbindung, zeitversetztes Fernsehen, eine Online-Videothek und Telefonieren über die Internet-Leitung.

Die Programmpakete sind bei diesen ganz neuen Angeboten allerdings meist die gleichen, die man vorher über Kabel beziehen konnte. Dennoch hat der Kunde Vorteile: Er bekommt alle drei Kanäle über einen Anbieter, mit einer Rechnung und einer Servicehotline, falls mal etwas nicht funktioniert. Er kann zeitversetzt fernsehen und spart im Idealfall auch noch Telefonkosten, weil er über das Internet telefoniert.

Das hätte auch Vorteile für Eltern: Sie können den Fernsehkonsum ihrer Sprösslinge kontrollieren, denn die digitalen Daten hinterlassen Spuren. Sie zeigen, ob der Filius wie versprochen den Fernseher abends um sieben abgeschaltet hat. Die elektronischen Programmübersichten erlauben es zudem, komfortabel mit den Kindern zusammen Sendungen auszusuchen, die sie ansehen dürfen. Damit Triple-Play ins Haus kommt, muss die Telefondose auf Geschwindigkeit getrimmt werden. Die analoge Telefonleitung kann die großen Datenmengen, die für Fernsehen und Telefonieren notwendig sind, nicht übertragen, dazu braucht man einen Breitbandanschluss. Während viele deutsche Haushalte bereits DSL-Anschlüsse mit 1-2 Mbit/s Datendurchsatz haben, benötigt ruckelfreies Internet-Fernsehen einen Kabel- oder ADSL-Anschluss mit 6-12 Mbit/s. Spätestens wenn hoch auflösendes Fernsehen (HDTV) über das Kabel kommt, muss es das neue ADSL2+ der Telekom oder, noch besser, VDSL sein. Das ist allerdings noch im Aufbau. Bis 2007 will die Telekom 50 große deutsche Städte mit der neuen Technik ausstatten.

Konzept für häusliche Pflege

Die Telekomanbieter sind sehr optimistisch, was Triple-Play angeht. Sie wollen in den nächsten Jahren stark in das Prinzip "ein Anschluss für alles" investieren. Bis 2010 sollen drei Millionen Haushalte Telefon, Fernsehen und Internet aus einer Hand bestellen und dafür mehr als eine Milliarde Euro ausgeben.

Doch es gibt auch Stimmen, die die hohen Erwartungen dämpfen. Anders als in vielen europäischen Ländern gibt es in Deutschland eine Menge Fernsehangebote gratis. Auch vom digitalen Angebot werden die Deutschen kostenlose Inhalte erwarten. Sicherheitsbewusste Kunden werden auch überlegen, ob sie wirklich alles auf eine Karte setzen möchten: Fällt das Triple-Play System aus, kann man weder telefonieren noch im Internet nach etwas suchen noch fernsehen.

Interaktives Fernsehen ist derzeit in keinem der Angebote enthalten. Das wird sich ändern, sobald ausreichend Fernsehanschlüsse mit einem Rückkanal ausgestattet sind, der die Klicks der Zuschauer zum Sender überträgt. Erste Pilotprojekte gibt es schon, allerdings auf ganz anderem Gebiet:

In Berlin können Mieter Pizza online bestellen, chatten und Videos ansehen, weil der Bauträger interaktives Fernsehen in die Wohnungen integriert hat. Mit ähnlichen Systemen können Senioren täglich mit ihrem Hausarzt in Kontakt bleiben. Pilotversuche für solche Systeme zur häuslichen Pflege gibt es bereits.