NEW YORK (MedCon) – Erstmals haben Mediziner zeigen können, dass transplantierte Zellen im Tiermodell Hämophilie A heilen können.

Der Bericht des Teams um Dr. Sanjeev Gupta vom New Yorker Albert Einstein College of Medicine an der Yeshiva University ist in der Märzausgabe des Journal of Clinical Investigation erschienen.

Die Wissenschaftler transplantierten gesunde Endothelzellen aus der Leber von Spendermäusen in ein Mausmodell für die Erkrankung. Durch die Heilung dieser Mäuse kippte das Team die bisherige Ansicht darüber, welche Zellen Faktor VIII produzieren.

"Wir wissen seit drei Jahrzehnten, dass Faktor VIII in der Leber produziert wird, aber wo genau, ist umstritten gewesen?, erläutert Dr. Gupta. "Es wurde angenommen, dass Faktor VIII von den Hepatozyten hergestellt wird – Zellen, die viele der Leberfunktionen ausführen und den Großteil der Leber ausmachen. Unsere Untersuchungen haben jedoch nahe gelegt, dass spezielle Endothelzellen, die die Sinusoiden – die mit Blut gefüllten Räume – auskleiden, die primären Quellen darstellen. Wir unternahmen diese Studie, um die Rolle der Leberendothelzellen bei der Produktion von Faktor VIII zu bestätigen und um zu sehen, ob die Transplantation von einer gesunden Spenderleber Hämophilie A in einem Tiermodell korrigieren würde."

Die in der Studie eingesetzten Spendermäuse waren genetisch dahingehend verändert, dass ihre Endothelzellen das Gen für ein grünes fluoreszierendes Protein herstellten. Auf diese Weise konnten die Wissenschaftler feststellen, ob die Leberendothelzellen, die aus den Spenderlebern isoliert und dann in eine zur Leber führende Vene der hämophilen Empfängermäuse injiziert wurden, erfolgreich in den Lebern der Empfänger Fuß fassen konnten.

Um vor der Transplantation für die gespendeten Zellen "Platz zu schaffen" – damit sie sich festsetzen und vermehren können -, verabreichten die Forscher den Empfängermäusen eine Dosis der toxischen Chemikalie Monocrotalin, die ihre eigenen Leberendothelzellen dezimierte.

"Drei Monate nach der Transplantation untersuchten wir die Lebern der Empfängermäuse und fanden, dass die transplantierten Zellen sich festgesetzt und zahlenmäßig zugenommen hatten", schildert Erstautorin Dr. Antonia Follenzi. "Was jedoch wichtiger ist: jene Mäuse mit den meisten transplantierten Zellen in ihren Lebern produzierten Faktor VIII in so großen Mengen, dass ihre Hämophilie A vollständig korrigiert wurde."

Es seien jedoch weitere Untersuchungen nötig, bevor die Transplantation von Leberzellen bei Menschen getestet werden könne, schränkte Dr. Gupta ein. "Ein wichtiges Erfordernis sind sichere Alternativen für Monocrotalin – die Chemikalie, die wir den Empfängermäusen verabreichten, um Platz für die gesunden Spenderleberzellen zu schaffen. Glücklicherweise sind derzeit bereits einige Medikamente im klinischen Gebrauch, die in dieser Hinsicht vielversprechend sind."

Quelle: J. Clin. Invest. 2008; 118 (3): 935-45