OTTAWA (BIERMANN) – Studien haben gezeigt, dass sportlich aktive Jungen mit Hämophilie weniger häufig bluten als Gleichaltrige, die keinen Sport treiben. Der Aufbau von Muskulatur und die Ausdauer durch Sport stabilisieren die Gelenke und vermindern das Verletzungsrisiko. Krafttraining erhöht sogar ein wenig die Faktor-VIII-Konzentrationen im Blut und hat das Potential die Blutgerinnung bei milder und mittel schwerer Hämophilie positiv zu beeinflussen.

Für die Mediziner der kanadischen kinderärztlichen Gesellschaft (Canadian Paediatric Society) sind das genug Gründe, sportliche Betätigungen auch für chronisch kranke Kinder mit Hämophilie zu empfehlen. Bevor man mit dem Sport beginnt, sollten allerdings einige Vorkehrungen getroffen werden:

Es ist sinnvoll, vorher seinen Gelenk- und Muskelstatus durch einen Experten beurteilen zu lassen. Nur um sicher zu gehen, welche Sportarten für das Kind geeignet sind und welche eher nicht. Falls man sich für Kampfsportarten wie zum Beispiel Judo oder für Fußball interessiert, sollte man sich vorher durch einen Sportmediziner beraten lassen. Es kann von sehr großem Nutzen sein, einen Trainingsplan aufzustellen, um eine Überforderung der Gelenke zu vermeiden.

Hat man eine geeignete und schöne Sportart für sich entdeckt, kann es losgehen. Die sportliche Einrichtung sollte so ausgestattet sein, dass im Blutungsfall sofort Eis, Schienen und eine Ruhezone zur Verfügung stehen. Außerdem sollten sportliche aktive Kinder mit Hämophilie ihre Faktorpräparate prophylaktisch erhalten und beim Sport gegebenenfalls Protektoren, wie zum Beispiel Knie- und Ellenbogenschützer tragen.

Wenn durch den Sport, doch mal Verletzungen entstehen, empfehlen die kanadischen Ärzte solange zu pausieren, bis die Schwellungen und die Schmerzen vollständig abgeklungen sind. In so einem Fall sollte immer individuell durch einen Experten entschieden werden, wann eine Rückkehr zum Sport wieder sinnvoll ist.

Wenn diese Hinweise berücksichtigt werden, steht dem sportlich aktiven Spaß mit einem optimalen gesundheitlichen Nutzen für das Kind nichts mehr im Weg.

Quelle: Paediatrics and Child Health, Volume 15, 4. April 2010