HAMILTON (BIERMANN) – Die beste Therapie kann nur wirken, wenn sie befolgt wird. Das leuchtet zwar ein, aber Jugendliche und Erwachsene mit Hämophilie werden offenbar bei der Befolgung der Therapieanweisungen nachlässiger. Das ergab eine kanadische Umfrage unter Ärzten und Krankenschwestern, die mit der Hämophilie-Versorgung betraut sind.

Prof. Anthony K. C. Chan von der McMaster University in Hamilton und Kollegen mailten einen Fragebogen an 53 Hämatologen der Association of Hemophilia Clinic Directors of Canada und 38 Krankenschwestern der Canadian Association of Nurses in Hemophilia.

Insgesamt 35 der 53 Hämatologen (66 Prozent) und 17 der 38 Krankenschwestern (45 Prozent) antworteten. Dabei gaben sowohl Ärzte als auch Schwestern an, dass von den hämophilen Kindern ein größerer Prozentsatz Tagebuch über die Blutungen /Infusionen führt und sich an die Empfehlungen zu Prophylaxe / Therapie hält als von den jugendlichen und erwachsenen Patienten.

Mehr als 80 Prozent der antwortenden Ärzte und Schwestern gaben an, sie beurteilten die Therapietreue, wobei sie viele verschiedene Instrumente einsetzten. "Überraschenderweise beurteilten 10-15 Prozent der Ärzte die Therapietreue nicht", stellten die Wissenschaftler fest.

Aus seinen Ergebnissen schließt das Team um Chan, dass die Beurteilung der Therapietreue derzeit nicht optimal ist. "Ärzte und Schwestern müssen die Therapietreue bei größeren Kindern und Jugendlichen fördern", schlussfolgern sie. Um zu klären, was die Therapietreue beeinflusst, und um Instrumente zu entwickeln, die sie fördern, seien weitere Studien notwendig.

Quelle: Haemophilia (2010); 16 (Suppl. 4): 12-13