Die World Federation of Hemophilia (WFH) weist anlässlich des zweiten Übertragungsfalles von Creutzfeldt-Jakob (vCJD) auf die hohe Sicherheit von rekombinanten Präparaten hin.

Am 22. Juli 2004 gab das britische Gesundheitsamt den zweiten Fall einer Creutzfeldt-Jakob Variante (vCJD) bekannt, vermutlich durch eine Blutransfusion erworben, die mit vCJD verunreinigt war. Obgleich der Patient keine Symptome von vCJD zeigte und auch nicht an deren Ursachen starb, brachte eine Autopsie den Beweis einer vCJD Infektion in der Milz. Die Quelle der Infektion war wahrscheinlich eine Bluttransfusion, die der Patient 1999 von einem Spender empfing, der später an vCJD starb. Der Patient wurde identifiziert im Rahmen eines vCJD Überwachungprogramms, das alle Empfänger von verdächtigen Bluttransfusionen und Blutprodukten erfasst.

Der erste Fall einer Übertragung von vCJD durch eine Transfusion war bereits im Dezember 2003 berichtet worden. In diesem Fall starben sowohl der Spender als auch der Empfänger an vCJD (s.a. "WFH Statement zur Übertragung von vCJD durch Transfusion" vom 19 Dezember 2003.) Zusammen bestätigen die zwei Fälle zweifellos die Hypothese, daß vCJD in Menschen durch Blut oder Blutbestandteile übertragen werden kann. 

Der zweite Fall ist auch wegen der Art der genetischen Veränderung des normalen Prionen-Materials bedeutend, das im Gehirn des Patienten gefunden wurde. Bis jetzt sind alle berichteten Fälle von vCJD als M/M homozygot identifiziert worden (eine genetische Veränderung, die in einer Minorität der britishen Bevölkerung gefunden wird). Resultierend aus diesen Beobachtungen haben einige Forscher angenommen, dass Einzelpersonen mit dieser homozygot genetischen Veränderung gegen vCJD empfänglicher sind. Der neueste Fall jedoch wird als M/V heterozygot für das Prion Gen beschrieben, einer viel häufiger vorkommenden Veränderung. Die Identifikation des neuen Falles lässt also vermuten, dass die heterozygote M/V Veränderung auch empfänglich ist für eine Übertragung über den intravenösen Weg, obgleich der Beweis nicht dafür gefunden ist, dass diese Einzelpersonen auch für eine Infektion über den Mundweg empfänglich sind, z.B. durch das Essen von infektiösen Rindfleisch (dem Primärweg der Infektion für Patienten mit vCJD). 

Diskussion

Diese Fälle können als Bestätigung der Gefahr einer vCJD-Infektion bei der Blutübertragung verstanden werden. Diese Bestätigung ist nicht überraschend nach den Ergebnissen einiger Tierexperimente, einschließlich Transfusionen bei Schafen – dem Thema der vorhergehenden WFH TSE Nachrichten. Die Gefahr  scheint hauptsächlich zu bestehen für Empfänger von Blutbestandteilen, die in britischen Spenderzentren gesammelt wurden. Die aktuelle Blutbankpolitik, die jetzt weltweit eingeleitet wird, scheint geeignet zu sein, die Gefahr solcher Übertragungen auf ein Minimum zu reduzieren. 

Momentan scheinen die Gerinnungs-Faktorkonzentrate, die außerhalb Großbritanniens aus Plasma gewonnen hergestellt werden, eine nur sehr geringe Gefahr für eine vCJD-Übertragung darzustellen: es gibt so gut wie keine möglichen Spender, die eine vCJD-Infektion mit sich tragen, und die Herstellungsverfahren wurden optimiert. Anhaltende Wachsamkeit ist aber weiterhin wichtig, um mögliche Gefahren zu erkennen. Insbesondere sollten die Behörden, die für die Hämophilie-Behandlung verantwortlich sind, beachten, dass die Gefahrenreduzierung für Hämophilieprodukte stark abhängig ist von deren Herstellungsverfahren und der Fähigkeit, die Koagulationfaktoren so gut wie möglich zu reinigen.

Es sind Reinigungsprozesse bekannt, die die Gefahr nur um ungefähr ein Log zu verringern vermögen, während Reduzierungen von acht Log von TSE für Produkte des sehr hohen Reinheitsgrades darstellbar sind. Die rekombinanten Produkte, die ohne Mensch- oder Tierbestandteile hergestellt werden, sind frei von jeder TSE Gefahr. 

Die WFH wird die Situation weiterhin überwachen und Sie informiert halten.