BRÜSSEL (Biermann) – Der Einsatz maßgefertigter Fußorthesen – also orthopädischer Einlagen bzw. Schuhe – reduziert bei rund jedem zweiten hämophilen Patienten mit Arthropathie im Sprunggelenk die Schmerzen, wie Forscher aus Belgien jetzt berichten

Obgleich Fußorthesen Patienten mit Hämophilie (PWH) und Arthropathie am Sprunggelenk oft verschrieben werden, war über ihre Effektivität und ihre biomechanische Effekte bislang nicht allzu viel bekannt.

Aus diesem Grund untersuchten Sébastien Lobet von der Université Catholique de Louvain, Brüssel, und seine Kollegen, wie sich orthopädische Einlagen und Schuhe bei hämophilen Patienten mit geschädigtem Sprunggelenk auswirken. Dabei richteten sie ihre Aufmerksamkeit insbesondere auf Schmerzen, räumlich-zeitliche Parameter, Kinematik und Kinetik der unteren Gliedmaßen sowie mechanische und energetische Variablen. Bei ihrer Untersuchung von 16 Betroffenen bedienten sich die Forscher auch der dreidimensionalen Ganganalyse.

Der Fragebogen "revised Foot Function Index" (FFI-R) und die dreidimensionale Ganganalyse wurden an den Zeitpunkten T0 und T1 zum einen bei Patienten mit neutralen Laufschuhen ausgefüllt bzw. bestimmt, wobei elf Patienten in der Folge orthopädische Einlagen und fünf Patienten orthopädische Schuhe verschrieben wurden.

Zudem wurden die Patienten erneut untersucht, während sie ihre Orthesen trugen, und zwar per dreidimensionaler Ganganalyse, FFI-R und Fragebögen zur Zufriedenheit.

Wie die Auswertung ergab, führten orthopädische Einlagen und Schuhe bei mehr als der Hälfte der Patienten zu einer signifikanten Linderung ihrer Schmerzen. Dabei waren die Nebenwirkungen nur minimal.

Orthopädische Einlagen hatten einen begrenzten Einfluss auf das Gangmuster, wohingegen orthopädische Schuhe die vorwärtstreibende Funktion des Sprunggelenks verbesserten. Die biomechanischen Veränderungen durch diese Einlagen und Schuhe seien von ihrer Fähigkeit zur Verbesserung des Komforts unabhängig gewesen, während sie nicht ausgereicht hätten, um Kinematik und Kinetik von Knie und Hüfte oder die mechanischen und energetischen Variablen zu beeinflussen, schreiben die Autoren.

Ihr Fazit: Diese Befunde lassen vermuten, dass orthopädische Einlagen und Schuhe günstige Effekte auf die Sprunggelenke hämophiler Patienten haben. Dabei halten Lobet und sein Team Fragebögen zur Zufriedenheit sowie den FFI-Fragebogen für empfindlich genug, um die Effektivität von Fußorthesen bei Hämophilie-Patienten einschätzen zu können.

Quelle: Haemophilia, 19. Dezember 2011; DOI: 10.1111/j.1365-2516.2011.02711.x