WUPPERTAL (Biermann) – Hämophilen Menschen wird heute zunehmend eine Sporttherapie empfohlen, um die körperliche Leistungsfähigkeit zu steigern. Bislang gibt es jedoch nur wenige sogenannte randomisierte, kontrollierte Studien – die als besonders aussagekräftig gelten – dazu, ob hämophile Patienten dadurch leistungsfähiger werden.

In einer aktuellen Studie untersuchte ein Wissenschaftler-Team um Britta Runkel von der Sportmedizin an der Universität Wuppertal über 6 Monate den Einfluss eines Sporttherapie-Programms auf die subjektive körperliche Leistungsfähigkeit und die gesundheitsbedingte Lebensqualität. Das Ergebnis: Nach dem Sportprogramm fühlten sich die Teilnehmer fitter und besser.

Im Rahmen der Studie wurden insgesamt 64 Patienten (fünf mit mittelschwerer und 59 mit schwerer Hämophilie) nach dem Zufallsprinzip in eine von zwei Gruppen eingeteilt: mit Sportprogramm (Sportgruppe) oder ohne (Kontrollgruppe). Von diesen Studienteilnehmern litten 57 unter Hämophilie A und sieben unter Hämophilie B. Die gesundheitsbedingte Lebensqualität wurde mit dem allgemeinen SF-36-Fragebogen und dem krankheitsspezifischen Haem-A-QoL-Fragebogen vor und nach dem Sportprogramm erfasst. Die subjektive körperliche Leistungsfähigkeit erhoben die Wissenschaftler anhand des HEP-Test-Q1 Fragebogens.

Nach 6-monatigem Training gaben die Patienten in der Sportgruppe eine signifikant bessere „Ausdauer” im HEP-Test-Q an als die Kontrollgruppe.

Beim SF-36-Fragebogen zeigte sich ein signifikanter Unterschied in den Bereichen „Allgemeine Gesundheitswahrnehmung“ und „seelische Gesundheit“.

Der Hämophilie-spezifische Fragebogen zur Lebensqualität ergab eine signifikante Verbesserung in den Bereichen „Gefühle“, „Arbeit“ und „Familie“.

„In der ersten randomisierten, kontrollierten Studie zum Einfluss eines 6-monatigen Trainingsprogramms auf die subjektive Wahrnehmung hämophiler Menschen zeigte sich in der Sportgruppe eine Zunahme der subjektiven körperlichen Leistungsfähigkeit und in einigen Bereichen der gesundheitsbedingten Lebensqualität“, schlussfolgern die Forscher. „Eine spezifische Sporttherapie unter Anleitung und Monitoring  durch geschultes Personal sollte in die umfassende Behandlung bei Patienten mit Hämophilie einbezogen werden.“

Quelle: Haemophilia, online erschienen am 11.10.2016; dx.doi.org/10.1111/hae.13079
1.    www.haemophilie.org/News