HAMBURG (Biermann) – Während Experten hämophilen Jungs früher von Sport abrieten, gilt er heutzutage als vorteilhaft, da eine gut ausgeprägte Muskelkraft die Gelenke stützt und die Blutungsfrequenz reduzieren könnte. Über den psychologischen Nutzen ist bislang weniger bekannt.

Auf der anderen Seite gibt es immer noch diverse Hindernisse, die hämophile Jungen von sportlichen Aktivitäten abhalten. Da sind zum einen die Sorgen des Patienten, seiner Familie und auch der Lehrer oder Betreuer, zum anderen ist das Wissen um die potenziellen Vorteile, die verschiedene Sportarten mit sich bringen, begrenzt.

Aus diesem Team befasste sich ein Forscherteam um Dr. Sylvia Von Mackensen, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, mit dem Einfluss von Sport auf den Gesundheitszustand, die mit der Gesundheit zusammenhängende Lebensqualität (HRQoL) und die körperliche Leistungsfähigkeit.

Ihre Befunde stellten die Wissenschaftler kürzlich beim XXIV. Kongress der Internationalen Gesellschaft für Thrombose und Hämostase vor, der vom 29. Juni bis 4. Juli 2013 in Amsterdam stattfand.

Die Studienteilnehmer waren 84 im Durchschnitt 12 Jahre alte Jungen mit Hämophilie (23 leicht, 19 mittelschwer, 42 schwer), die an einem von zwei britischen Hämophile-Zentren behandelt wurden. 92,3 Prozent litten unter Hämophilie A, 51,9 Prozent waren schwer betroffen,  66,3 Prozent wurden prophylaktisch behandelt.

Als übergewichtig/adipös stuften die Forscher 28,4 Prozent der Jungen ein. Regelmäßig Sport trieben 90,5 Prozent, die Mehrheit mindestens zweimal pro Woche (79,9%), meistens mit Freunden (80%) und in der Schule (80%).

Die HRQoL der Kinder stellte sich generell als gut heraus. Die stärksten Beeinträchtigungen zeigten sich bei Kindern zwischen acht und zwölf Jahren. Jüngere Kinder gaben die höchsten  Beeinträchtigungen im Bereich „Sport & Schule“ an, während Jugendliche sich am stärksten im sozialen Bereich beeinträchtigt fühlten, etwas in den Bereichen „gefühlte Unterstützung“ und „Freunde“.

Die acht- bis 17-jährigen Jungen gaben eine gute körperliche Leistungsfähigkeit zu Protokoll. Am stärksten seien Beeinträchtigungen in den Bereichen „Ausdauer“ und „Mobilität“.

Bei den jüngeren Kindern wirkte sich Sport nicht auf die gesundheitsbedingte Lebensqualität aus. Anders bei ältere Jungs: Diejenigen, die keinen Sport trieben, zeigten Beeinträchtigungen in den Bereichen „Gefühl“ und „Familie“. Allgemein fühlten sich Sport treibende Kinder körperlich leistungsfähiger.

Das Fazit der Forscher: Jungs, die Sport trieben, waren körperlich deutlich leistungsfähiger und hatten eine bessere gesundheitsbedingte Lebensqualität als die „Couch-Potatoes“. Jungen hingegen, die viel Zeit im Sitzen verbrachten, fühlten sich körperlich weniger leistungsfähig und fehlten häufiger in der Schule. Dabei erhöhte die Teilnahme an sportlichen Aktivitäten weder das Blutungsrisiko noch das Risiko, sogenannte Zielgelenke zu entwickeln. Zielgelenke sind die Gelenke, in denen mehr als 90 Prozent der Blutungen stattfinden.

„Wenn man hämophile Jungen zur Teilnahme an Sport ermutigt, hat dies direkten Einfluss auf ihre gesamte gesundheitsbedingte Lebensqualität“, bilanzieren die Wissenschaftler. Allerdings seien weitere Studien erforderlich, um diese Befunde zu bestätigen.

Quelle: XXIV. ISTH-Kongress, Abstract “Impact of sports on children with haemophilia in terms of their health status, health-related quality of life and physical performance”
www.eventure-online.com