Faktorpräparate sind nach wie vor Gegenstand reger Forschung. Ziel ist es, immer effektivere und anwenderfreundlichere Produkte anbieten zu können. Die Entwicklungen der letzten Jahre haben dazu geführt, dass Patienten mit Hämophilie eine immer längere Lebenserwartung verzeichnen. Durch die sichere prophylaktische Ersatz-Therapie wird die Schädigung der Gelenke durch Blutungen vermieden, so dass die Patienten in der westlichen Welt ein nahezu normales Leben führen können. Die prophylaktische Gabe von Faktorpräparaten gehört mittlerweile zur Standardtherapie bei schwerer Hämophilie. Optimalerweise beginnt diese Therapie bereits im Kleinkindalter zwischen ein und drei Jahren.

Bei all den Vorteilen, den diese Therapie bietet, gibt es auch Schwachstellen. So bilden bis zu 30 Prozent der Hämophilie-A-Patienten Antikörper gegen das Faktorpräparat, so dass dessen gerinnende Wirkung sofort gehemmt wird. Außerdem könnte es als eine Beeinträchtigung empfunden werde, dass die intravenöse Injektion alle zwei bis drei Tage erfolgen muss. Die Senkung der Therapiekosten steht auch auf der Tagesordnung, da eine prophylaktische Ersatz-Therapie pro Patient pro Jahr bisher etwa 80.000 Euro kostet.

Aus diesen Gründen ist und bleibt die Weiterentwicklung von Faktorpräparaten ein spannendes Forschungsfeld. Zu den wünschenswerten Errungenschaften zählen beispielsweise den Herstellungsprozess von rekombinanten Faktorpräparaten noch weiter zu optimieren, die Inaktivierung der Gerinnungsproteine im Körper hinauszuzögern, sowie die Bildung von Antikörpern zu vermeiden. Steven Pipe von Institut für Kinderheilkunde an der Universität in Michigan fasst zu diesem Thema die neuesten Trends zusammen.

Steigerung der Produktivität

Rekombinantes Faktorkonzentrat VIII (rFVIII) ist seit 1992 auf dem Markt. Es wird biotechnologisch in Eierstockzell- oder Nierenzell-Linien des Hamsters produziert. Die Produktivität dieser Zell-Linien konnte dadurch gesteigert werden, dass eine um 38 Prozent kleinere aber immer noch funktionstüchtige Version des menschlichen Faktor VIII entwickelt werden konnte (das so genannte B-domain-deleted (BDD)-rFVIII). Das kleinere Protein kann schneller biotechnologisch produziert werden und somit Herstellungskosten einsparen.

Nach Angaben des Autors ist BDD-rFVIII wohl die erste und einzige kommerziell hergestellte Version eines veränderten menschlichen Proteins.

Neueste Entwicklungen zielen darauf ab, ein BDD-rFVIII-Protein vom Schwein für diejenigen Patienten zu verwenden, die Antikörper gegen das menschliche BDD-rFVIII-Protein gebildet haben.

Faktor VIII wird durch ein Enzym aktiviert. Allerdings bauen wiederum andere Enzyme die aktivierte Form des Faktors VIII (FVIIIa) relativ schnell ab oder es zerfällt von selbst. Durch gezielte Veränderungen im Protein soll in Zukunft FVIIIa länger aktiv bleiben können. Wissenschaftler erhoffen sich von dieser neuen Errungenschaft das eine Blutstillung möglich ist, auch wenn das aktivierte Protein nur in sehr geringen Konzentrationen vorliegt.

Verlängerung der Halbwertzeit

Die meisten Forschungsansätze zielen darauf ab, die Halbwertzeit des rFVIII zu verlängern. Dazu sind aktuell einige klinische Studien am laufen. Eine längere Haltbarkeit des FVIII im Blut würde dazu führen, dass man es weniger häufig spritzen müsste, aber trotzdem gut mit dem fehlenden Gerinnungsfaktor versorgt wäre. In diesem Zusammenhang gibt es verschiedene Forschungsansätze. Zum Einen wird der Gerinnungsfaktor selbst modifiziert, zum Anderen wird der Faktor mit anderen Molekülen verknüpft. Wenn rFVIII mit Polyethylen glykolisierten Liposomen eine Bindung einhergeht, kann es nicht mehr so schnell abgebaut werden. Wenn das Polyethylenglykol oder die Polysialinsäure direkt am rFVIII gebunden wird, verlängert es darüber hinaus auch die Halbwertzeit, wie erste Studien an einem Tiermodel belegen.

Diese Beispiele zeigen, dass an vielen Stellen geforscht wird, um die Versorgung und die Lebensqualität der Hämophilie-Patienten immer weiter zu optimieren.

Quelle: American Society of Hematology, 2010