"FAKTOR Das Flugzeug ist das sicherste Transportmittel der Welt – allen Katastrophenfilmen zum Trotz. Die meisten Menschen fliegen ein Leben lang in ferne Länder ohne auch nur einmal einen Unfall zu erleben. Damit das so bleibt, hat sich der Münchner Flughafen einiges einfallen lassen.

Beitrag entnommen aus unserem Magazin FAKTOR (Ausgabe Nr. 01, August 2006), dem Magazin rund um das Thema Sicherheit.

Bali, Mallorca, Tunesien – die große Anzeigetafel im Münchner Franz-Josef-Strauß- Flughafen erzählt von der großen weiten Welt. Die Feriensaison ist in vollem Gange, dank Billigfluglinien und verregnetem Frühling stehen Trips in die Sonne hoch im Kurs.

Täglich profitieren 100.000 Passagiere davon, dass Sicherheit in München auch Service bedeutet: Schnell das richtige Terminal finden, wissen, welcher Check- In-Schalter den Flug annimmt – klare Wegweiser und besucherfreundliche Schilder sind genauso wichtig wie Metalldetektoren. Denn Orientierungslosigkeit schafft Stress, führt zu Hektik und im Eifer des Gefechts auch zu Unfällen. In München sorgen zweisprachige Schilder, Farbkodierungen und ein mit viel Mühe geplantes Audiosystem für das Lenken der Passagierströme. So geht es sicher zum Check-In, wo der für alle sichtbare Teil der Sicherheitsvorkehrungen beginnt.

Auch Baumwolle piept

Jeder Reisende muss sich mit einem Ticket am Schalter melden, seine Bordkarte in Empfang nehmen und sein Gepäck aufgeben. Bevor das Bodenpersonal am Schalter den Reisenden die Bordkarten in die Hand drückt, wird die Identität der Passagiere festgestellt. An einigen Schaltern musste das Gepäck schon vorher durch einen ersten Scanner geschleust werden.

Mit Bordkarte und Handgepäck geht es durch die eigentliche Sicherheitsschleuse, wo Taschen, Jacken und Schuhe geröntgt werden. Der "Torbogen" mit den Metalldetektoren piepst, sobald die Menge an Metall einen bestimmten Richtwert überschritten hat. Aber manchmal piepst er auch schon beim Baumwollkleid – er gibt in zufälligen Abständen "falschen" Alarm, unabhängig ob Metall gefunden wurde oder nicht. Diese zufälligen Stichproben sorgen für noch höhere Sicherheit.

Sicherheit durch Röntgenstrahlen

Das Handgepäck muss durch ein Röntgengerät, das dem Flughafenpersonal in verschiedenen Farben anzeigt, welche Stoffe darin enthalten sind. Die modernen Röntgengeräte sind übrigens für Urlaubsfilme nicht mehr gefährlich. Ihre Strahlendosis kann einem verpackten Kleinbildfilm nichts anhaben. Was verboten ist und was nicht, hängt auch vom Reiseland ab. Aktuelle Informationen dazu werden von den Fluggesellschaften bzw. Reiseveranstaltern herausgegeben oder können dort erfragt werden. Schon immer auf der schwarzen Liste standen Explosivstoffe wie Feuerwerk, Feuerzeuggas und Streichhölzer.

Labyrinth der Koffer

Während sich das Gate langsam mit den Reisenden füllt, sind die aufgegebenen Gepäckstücke schon längst auf dem Weg zum Flugzeug und durch ein vierstufiges Kontrollsystem gerollt. 90.000 Koffer, Trolleys und Taschen verteilt das Gewirr aus Förderbändern, Kippen, Kreiseln und Abwurfstellen jeden Tag, bei einer Fehlerquote von weniger als einem Promille.

Beim nächtlichen An- oder Abflug können die Passagiere durch die Flugzeugfenster die schier endlosen Reihen bunter Lampen an der Rollbahn und deren Zubringer bewundern. Ohne sie dürfte kein Flugzeug starten oder landen, daher ist die Befeuerung streng geregelt. Bis zu 10 Kilometer weit sind die Gleitwinkelfeuer aus der Luft zu sehen. Sie zeigen dem Piloten, ob er korrekt, zu hoch oder zu niedrig einschwebt. Leuchtet es nur rot, muss er steigen, nur weiß bedeutet sinken. Sieht er beide Lampen, stimmt die Höhe.

Damit sich die Piloten zu jeder Zeit auf die Befeuerung verlassen können, kümmern sich eigene Teams um die Wartung der Lämpchen und reinigen die Fassungen, damit alles immer hell leuchtet. Sensoren in den Gehäusen melden automatisch ausgefallene Lampen. Bei sehr wichtigen Leucht anzeigen, wie dem Gleitwinkelfeuer, rückt der Wartungstrupp sofort zum Austausch aus und der Flugverkehr wird solange auf eine andere Landebahn umgeleitet. Fällt einmal der Strom aus, springt sofort ein Notstromsystem ein und sorgt weiter für helle Lichter.

Eisbären für den Winterdienst

Auch wenn im Sommer niemand daran denken will: Der Flughafen rüstet sich bereits wieder für den Winter. Die "Eisbären", so nennen die Techniker die Spezialfahrzeuge zum Enteisen der Tragflächen, stehen einsatzbereit in ihren Garagen. Sie spülen bei Frost mit einer Mischung aus Glykol und Wasser Eis und Graupel von den Flugzeugflügeln. Denn eine vereiste Tragfläche fliegt nicht gut: Die Ablagerungen verändern das Profil, so dass sie nicht mehr genügend Auftrieb erzeugen würde. Und weil Sicherheit auch Umweltschutz bedeutet, können etwa 40 Prozent der Flüssigkeit recycelt werden.

Und nicht zuletzt kümmert sich der Flughafen auch um alle, die sich erst in letzter Minute an die fehlende Impfung für ihren Traumurlaub erinnern: das Medizinische Zentrum des Flughafens ist 24 Stunden geöffnet, bestens ausgerüstet und liegt im Terminal 1, Bereich E, Ebene 03 – Service ist auch Sicherheit.