MAILAND (BIERMANN) – Blutungen im Bereich des zentralen Nervensystems (Gehirngewebe und Hirnhaut) können bei Menschen mit schweren Blutungsstörungen spontan auftreten. Deswegen ist es von großem Vorteil, sehr früh mit einer prophylaktischen Therapie anzufangen. Zu diesem Ergebnis kommt ein international zusammengesetztes Forscherteam in einer Studie von Simona Maria Siboni aus dem Zentrum für Hämophilie und Thrombose im italienischen Mailand.

Das Auftreten und der Verlauf von Gehirnblutungen wurde am Beispiel von 24 Patienten mit mittelschweren bis schweren Blutungsstörungen untersucht. Alle Patienten litten mindestens einmal im Leben an einer Blutung im Bereich des zentralen Nervensystems. Berücksichtigt wurden Störungen in den Gerinnungsfaktoren V, VII, X sowie XIII.

Wie häufig treten Hirnblutungen auf?

Bei den meisten Patienten (69 %) trat eine Hirnblutung bis zum Untersuchungszeitpunkt nur einmal auf. Sechs Patienten (25 %) litten zweimal an Hirnblutungen, bei zwei weiteren Patienten (6 %) blutete es häufiger.

Wann treten Hirnblutungen auf?

Bei 71 Prozent der Studienteilnehmer trat eine Hirnblutung nach dem zweiten Lebensjahr auf. Bei den übrigen 29 Prozent traten die Blutungen im Babyalter innerhalb der ersten zwei Lebensjahre auf. In den meisten Fällen traten die Blutungen mit einem Anteil von 76 Prozent spontan auf.

Wo blutet es?

Bei etwa der Hälfte der Betroffenen (53 %) traten die Blutung im Bereich des Gehirns (intrazerebral) auf und bei 28 Prozent im Bereich der Hirnhäute (extrazerebral). Bei zwei weiteren Patienten waren sogar beide Areale betroffen.

17 von den 24 untersuchten Patienten (71 %) erhielten eine sekundäre Prophylaxe, um eine erneute Hirnblutung zu vermeiden. Neurochirurgische Eingriffe waren bei Behandlung von elf Patienten notwendig, sieben davon erhielten gleichzeitig eine sekundäre Prophylaxe. Dauerhafte psychomotorische Schäden traten bei zwei Patienten auf. Die Hirnblutungen verliefen glücklicherweise in keinem einzigen Fall tödlich.

Die Forscher kommen zu dem Ergebnis, dass Patienten mit einer schweren Blutungsstörung ein höheres Risiko für Hirnblutungen haben, als Patienten mit einer mittelschweren Blutungsstörung. Daher empfehlen die Wissenschaftler bei Menschen mit schweren Blutungsstörungen die Faktorpräparate schon sehr früh und prophylaktisch zu verabreichen. Die optimale Dosierung und die Häufigkeit der Anwendung muss individuell eingestellt werden.

Quelle: Haemophilia, 4. Mai 2011