PERUGIA (BIERMANN) – Italienische Forscher haben eine eindeutige Verbindung zwischen der Knochenmasse und Hämophilie gefunden. In ihrer Meta-Analyse fanden sie heraus, dass die Knochendichte an der Lendenwirbelsäule sowohl bei Kindern als auch bei Erwachsenen mit Hämophilie geringer war als bei Gesunden. Als Meta-Analyse wird eine zusammengefasste Auswertung mehrerer früherer Arbeiten zum gleichen Thema bezeichnet.

Dabei werteten Alfonso Iorio von der Universität Perugia und sein Team sieben Fall-Kontroll-Studien zur Verbindung zwischen Hämophilie und Osteoporose (Knochenschwund) aus.

Der Hintergrund: Einerseits ist bekannt, dass bei körperlich weniger aktiven Menschen die Knochendichte reduziert ist – und hämophile Patienten sind in ihrer Aktivität durch die hämophile Arthropathie oft eingeschränkt. Andererseits haben bereits mehrere Studien über eine reduzierte Knochendichte bei hämophilen Menschen berichtet.

In ihrer Analyse nahmen die Wissenschaftler auch unter die Lupe, welche Faktoren sich auf die Knochendichte hämophiler Patienten auswirken könnten. Dazu zählen eine Infektion mit dem Hepatitis-C-Virus (HCV) und der Body Mass Index (BMI), der das Verhältnis von Gewicht zu Körpergröße beschreibt. Doch diese beiden Faktoren boten keine statistisch signifikanten Anhaltspunkte für eine reduzierte Knochendichte.

Es gab zwar einen – von gesunden Menschen bekannten – Zusammenhang zwischen niedrigem BMI und geringer Knochendichte, aber es ließ sich nicht klären, ob das geringere Körpergewicht hämophiler Patienten die Hauptursache für die stärkere Reduktion der Knochendichte ist.

Der mangelnde Einfluss von HCV auf die Knochendichte hämophiler Menschen steht im Gegensatz zu zwei früheren Studien, die sehr wohl einen Zusammenhang mit einer reduzierten Knochendichte fanden.

Möglicherweise war das aktuelle Ergebnis dadurch verzerrt, dass es in den untersuchten Studien keine Angaben dazu gab, wie viel Prozent der Patienten Interferon erhielten. Interferon beeinflusst den Knochenstoffwechsel. Erhält in einer Studie ein anderer Prozentsatz der Patienten Interferon als in einer anderen, lässt sich keine eindeutige Aussage mehr treffen.

Darüber hinaus bekannt ist zwar auch, dass Menschen mit chronischer Hepatitis B- oder C-Infektion und Leberzirrhose oft einen Knochenabbau zeigen – wie häufig Patienten ohne Zirrhose unter Knochenschwund leiden, ist hingegen unklar.

Hämophile Erwachsene, aber vor allem auch Kinder, sollten zu Aktivität mit Gewichtsbelastung (um Muskeln und Knochen zu stärken) ermuntert werden, meinen die Autoren. Ebenso plädieren sie für ein konstant normales Körpergewicht. Für Erwachsene mit Osteoporose ziehen sie zur Therapie auch Bisphosphonate in Betracht, für Kinder raten sie aufgrund mangelnder Erfahrung damit eher davon ab.

Das Management von Hämarthrosen und Arthropathie umfasse bereits die korrekte Wahl bei der Stabilisierung des Gelenks, die Blutungsprophylaxe durch ausreichenden Faktor VIII-Ersatz und/oder antifibrinolytische Medikamente sowie eine umgehende Mobilisierung, um einer Atrophie vorzubeugen und eine schnellstmögliche Rückkehr zur vollen Funktion zu fördern. Diese Maßnahmen würden auch helfen, der Osteoporose vorzubeugen. "Falls nötig, kann auch Physiotherapie empfohlen werden, um erkrankte Gelenke wieder beweglich zu machen und die Knochenstärke zu erhöhen", ergänzen die Wissenschaftler.

Quelle: Thrombosis and Haemostasis, online erschienen am 13. Januar 2010;103.