Thema des Monats, Juli 2008 – Häufige Injektionen, Krankenhausaufenthalte, Schmerzen in den Gelenken: Hämophilie-Patienten und ihre Angehörigen müssen eine Menge Einschränkungen ertragen. Oft kommen zu diesen Beeinträchtigungen der Lebensqualität auch hohe finanzielle Belastungen, beispielsweise wenn ein Umbau der Wohnung oder die Anschaffung eines behindertengerechten Fahrzeugs unumgänglich werden.

Eine Möglichkeit, diese Ausgaben durch einzelne Vergünstigungen wenigstens teilweise wieder wett zu machen, bietet der Schwerbehindertenausweis, den Menschen mit einem Grad der Behinderung (GdB) von mehr als 50 Prozent beantragen können. Den Antrag auf Einstufung gibt es beim zuständigen Versorgungsamt, oft auch zum Herunterladen von der Homepage.

So zählen zu den sogenannten Nachteilsausgleichen, die der Ausweis gewährt, abhängig vom Behinderungsgrad, steuerliche Vorteile wie Freibeträge, arbeitsrechtliche Vergünstigungen wie der besondere Kündigungsschutz, zusätzliche Urlaubstage sowie Arbeitshilfen, Steuervergünstigungen, Wohngeld, Parkplätze oder Vergünstigungen in öffentlichen Verkehrsmitteln.

Allerdings kann der Besitz eines solchen Ausweises auch Nachteile mit sich bringen: So kann der grüne Schein beispielsweise die Suche nach einer Ausbildungs- oder Arbeitsstelle erschweren, denn mancher Chef scheut die aufgrund der Schwerbehinderung erschwerten Kündigungsmöglichkeiten, den Zusatzurlaub von fünf Arbeitstagen und eine möglicherweise verminderte Leistungsfähigkeit seines neuen Mitarbeiters.

Bei einem Vorstellungsgespräch bei einem neuen Arbeitgeber muss dessen ausdrückliche Frage nach einer Schwerbehinderteneigenschaft wahrheitsgemäß beantwortet werden. Dies gilt auch unabhängig davon, ob die Behinderung die Leistungsfähigkeit des Arbeitnehmers am konkreten Arbeitsplatz zu beeinträchtigen vermag oder nicht. Von sich aus muss der Arbeitnehmer seine Schwerbehinderung allerdings nicht offenbaren, es sei denn, dass die Behinderung gerade für den konkreten Arbeitsplatz von Bedeutung ist.

Andererseits kann der Ausweis bei Bewerbungen auf Stellen helfen, bei denen Schwerbehinderte bevorzugt werden. Denn Arbeitgeber, die Schwerbehinderte einstellen, kommen in den Genuss von staatlichen Zuschüssen und anderen vorteilhaften Zuwendungen.

Neben den ganz praktischen Auswirkungen auf den Alltag von Behinderten fürchten viele Betroffene noch einen weiteren Nachteil des Ausweises: das für alle sichtbare "Stigma" der Behinderung. Außerdem stößt die Inanspruchnahme von Nachteilsausgleichen bei vielen Nicht-Behinderten auf Unmut und Neid, da diese als Privilegien fehlinterpretiert werden.

Insgesamt sollte die Beantragung eines Schwerbehindertenausweises also gut überlegt werden. Denn auch ohne den Ausweis und ohne Feststellung des Grads der Behinderung haben Behinderte einen Anspruch auf Hilfen und Nachteilsausgleiche, zum Beispiel in Schule und Berufsleben. Möglicherweise kann man diese Ansprüche mit Ausweis aber einfacher durchsetzen.

Und wer sich nach einer Phase des Zögerns doch noch für den Antrag entscheidet, kann zumindest die steuerlichen Vergünstigungen bis zu fünf Jahre rückwirkend in Anspruch nehmen.

MedCon AG