Antrag

Falls Sie wegen einer Krankheit, eines Unfalls oder von Geburt an ein erhebliches Leiden haben, das Ihre Teilhabe (Teilnahme) am Leben in der Gemeinschaft einschränkt, können Sie diese Einschränkung als Behinderung amtlich feststellen lassen. Die Behinderung darf nicht nur vorübergehend bestehen, sondern sie muss länger als sechs Monate andauern. Diese Bedingungen sind bei einer angeborenen Gerinnungsstörung gegeben.
Wie beantrage ich nun einen Schwerbehinderten-Ausweis:

  1. Besprechen Sie diesen Schritt mit ihrem Arzt bzw. den Sozialarbeitern des Krankenhauses. Diese haben Erfahrungen damit, welche Entscheidungen vom Sozialamt bei Ihrem Krankheitsbild in der Regel getroffen werden. Wichtig ist auch der Austausch mit anderen Betroffenen in einer Selbsthilfegruppe.
  2. Eine Änderung eines bereits erteilten Schwerbehindertenausweises kann beantragt werden, wenn sich die bereits festgestellte Behinderung verschlimmert haben sollte oder ein neues Leiden hinzugekommen ist.
  3. Die Antragstellung kann erfolgen durch:
    – Antragsteller persönlich
    – Vertreter mit Vollmacht
    – gesetzlicher Vertreter, in der Regel die Eltern
  4. Antragsformulare erhalten sie bei: Stadtverwaltung oder Landratsamt
  5. Füllen Sie den Antrag wahrheitsgemäß und vollständig aus. Geben sie alle Erkrankungen und alle Ärzte an, bei denen Sie in Behandlung sind.
  6. Informieren Sie ihre behandelnden Ärzte über ihren Antrag und bitten sie um eine ausführliche und korrekte Krankheitsbeschreibung.
  7. Das Amt fordert nun Krankenakten und Stellungnahmen von den angegebenen Ärzten bzw. Krankenhäusern an.
  8. Das Amt entscheidet in der Regel nach Aktenlage, d.h. Sie werden nur in sehr seltenen Fällen einem Amtsarzt vorgestellt. Die Entscheidung über den Grad der Behinderung bzw. ein Merkzeichen wird an Hand der eingegangenen Arztberichte getroffen. Daher ist eine ausführliche und korrekte Beschreibung ihres klinischen Befundes so wichtig.
  9. Die Mitarbeiter vergleichen ihre Befunde mit den „Anhaltspunkten für die ärztliche Gutachtertätigkeit im sozialen Entschädigungsrecht und nach dem Schwerbehindertenrecht (Teil 2 SGB IX)“. Dort wird zur Hämophilie folgendes ausgeführt:Hämophilie und entsprechende plasmatische Blutungskrankheiten
    (je nach Blutungsneigung) ergeben folgenden Grad der Behinderung (GdB)

    – leichte Form mit Restaktivität von antihämophilem Globulin (AHG) über 5% GdB: 20
    – mittelschwere Form – mit 1-5% AHG
    mit seltenen Blutungen
    mit häufigen (mehrfach jährlich) ausgeprägten Blutungen
    GdB: 30 – 40
    GdB: 50 – 80
    – schwere Form – mit weniger als 1% AHG GdB: 80 – 100
    – Folgen von Blutungen sind zusätzlich zu bewerten.
    Sonstige Blutungsleiden
    – ohne wesentliche Auswirkungen GdB: 10
    – mit mäßigen Auswirkungen GdB: 20 – 40
    – mit starken Auswirkungen (starke Blutungen bereits bei leichten Traumen) GdB: 50 – 70
    – mit ständiger klinisch manifester Blutungsneigung (Spontanblutungen, Gefahr lebensbedrohlicher Blutungen) GdB: 80 – 100

    Weitere Informationen erhalten Sie unter: „Anhaltspunkte für die Gutachter Tätigkeit“ Broschüre des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (letzter Zugriff am 07.02.2014)

  10. Die Bearbeitungszeit Ihres Antrags kann mehrere Monate betragen. Eine Eingangsbestätigung zu Ihrem Antrag sollten Sie jedoch innerhalb von 14 Tagen erhalten. Die doch recht lange Bearbeitungszeit liegt insbesondere daran, dass Befundberichte von Ärzten und anderen medizinischen Stellen angefordert werden müssen. Bis diese eintreffen, vergeht regelmäßig einige Zeit.
  11. Die bearbeitende Stelle erteilt einen Feststellungsbescheid, in dem die einzelnen Behinderungen, der Grad der Behinderung (GdB) und die weiteren gesundheitlichen Merkmale (Merkzeichen) angegeben werden. Als Grad der Behinderung (GdB) wird das Ausmaß eines Leidens auf die Teilhabe am Leben in der Gesellschaft bezeichnet. Der GdB wird dabei in Zehnerschritten von 10 bis 100 eingeteilt.
    Gesundheitsstörungen, die einen GdB von weniger als zehn erreichen, gelten nicht als Behinderung. Ein Grad der Behinderung wird jedoch nur dann festgestellt, wenn insgesamt ein GdB von wenigstens 20 vorliegt. Wenn mehrere Funktionsbeeinträchtigungen vorliegen, wird ein Gesamt-GdB errechnet, der alle Beeinträchtigungen der oder des Betroffenen erfasst. Die einzelnen GdB-Werte werden dabei jedoch nicht addiert, sondern der Wert wird nach den Auswirkungen der Beeinträchtigungen in ihrer Gesamtheit und unter Berücksichtigung der wechselseitigen Beeinflussungen festgestellt.
  12. Wenn Sie mit dem Bescheid einverstanden sind, so brauchen Sie nichts weiter zu tun. Der Ausweis wird Ihnen zugestellt, bzw. Sie müssen ihn auf dem Amt abholen. Sind Sie mit der Entscheidung nicht einverstanden, können Sie in Widerspruch gehen. Die Fristen stehen im Bescheid des Amtes.

Dr. Uwe Schlenkrich