BOGOTA (BIERMANN) – Eigentlich gilt die transurethrale Prostatektomie (TURP) – die Entfernung der Prostata durch die Harnröhre – als das Standardverfahren für die Prostata-Entfernung. Doch wie sieht das bei hämophilen Patienten aus? Ein Wissenschaftlerteam um M. Solano vom Hospital de San Jose – FUCS in Bogota hat Erfahrungen zu zwei Patienten veröffentlicht.

Es handelte sich um zwei Patienten mit leichter Hämophilie ohne Inhibitoren, der eine 65, der andere 75 Jahre alt. Beide litten unter Harnwegsobstruktion und Hämaturie (Blut im Urin) und benötigten daher eine Prostataentfernung.

Fall 1 wurde vor dem Eingriff aufgrund hoher PSA-Werte mit Zystoskopie und Biopsie untersucht und mit Desmopressin behandelt. Fall 2 litt unter rheumatoider Arthritis, war bereits oft operiert worden, rauchte stark und sprach schlecht auf Desmopressin an.

Beide Patienten wurden mit TURP operiert und zeigten zunächst auch keine Komplikationen. Bei beiden wurde nach einem Einheitsprotokoll behandelt, um die Faktor-VIII-Spiegel in den ersten drei Tagen zwischen 60 und 80 zu halten. Anschließend erfolgte für die nächsten sechs Tage eine Senkung auf 50 bis 60, wobei bei den Parametern für die Blutstillung gute Spannen erzielt wurden.

Doch beide Patienten zeigten am Ende der zweiten und dritten Woche erneut Blutungen, wurden erneut operiert und mussten länger im Krankenhaus bleiben. Sie benötigten zwei weitere Wochen mit Faktor-Ersatz-Therapie und Erythrozytentransfusionen. Eine primäre Fibrinolyse wurde ausgeschlossen.

"Eine TURP, die Resektoskopie (Herausschälen von vergrößertem Gewebe) und Elektrofulguration (Ausbrennen mit Strom) einsetzt, resultiert in einer großen blutigen Oberfläche, die langsam heilt, aufgrund der Reizung eine Katheterisierung der Harnröhre erfordert und zu späten Blutungen führt", erläutern die Autoren. Die Hämaturie halte viele Tage lang an und mache die Evaluation schwierig und ungenau.

"Ein besserer Ansatz ist eine individualisierte hämatologische und urologische Evaluation für die Auswahl des Verfahren, je nach spezifischer Prostata-Pathologie, Begleiterkrankungen und Blutungsrisiko", schreiben Solano und Kollegen.

Nicht nur die Hämaturie, sondern auch andere klinische Parameter seien in der Phase nach der Operation bessere Leitlinien für die Therapie, inklusive eines verlängerten Faktor-Ersatzes von bis zu 2-3 Wochen.

Quelle: Haemophilia (2010), 16 (Suppl. 4): 5