FRANKFURT/MAIN (Biermann) – Schon oft wurde der Effekt von Bedarfsbehandlung und Prophylaxe verglichen – doch in der Regel aus Sicht der Mediziner. Eine aktuelle Studie aus Deutschland lässt nun 182 Erwachsene mit schwerer Hämophilie zu Wort kommen.

Dr. Wolfgang Mondorf aus Frankfurt am Main und seine Kollegen schickten 182 über 30-jährigen Patienten mit schwerer Hämophilie A oder B einen Fragebogen zur Selbstbewertung zu.

Die Analyse der erhobenen Angaben zeigte, dass die meisten Studienteilnehmer in ihrer Kindheit bei Bedarf behandelt wurden, die Mehrheit dieser Patienten in der Folge aber zur Prophylaxe wechselte.

Von den Patienten jedoch, bei denen die Prophylaxe im Kindesalter begonnen wurde, setzte die große Mehrheit die prophylaktische Therapie im Erwachsenenalter fort.

Eine Entwicklung von Inhibitoren wurde signifikant häufiger von Patienten angegeben, die mit der Bedarfsbehandlung begonnen hatten, als von denjenigen, die als erstes die Prophylaxe erhalten hatten.

Ein weiteres Ergebnis: Für das Jahr, das dem Ausfüllen des Fragebogens voranging, gaben diejenigen Befragten mit Prophylaxe signifikant weniger Blutungen an als diejenigen mit Bedarfsbehandlung. Diese Resultate stimmen eng mit anderen publizierten Daten überein.

Zwar litten fast alle Befragten aufgrund von Blutungen unter Gelenkschmerzen, diejenigen jedoch, die immer prophylaktisch behandelt worden waren, brauchten seltener ein künstliches Gelenk, schnitten bei Gehgeschwindigkeit und Distanz besser ab und konnten häufiger am Schulsport und an Fortbildungen teilnehmen.

„Diese Daten unterstreichen eindeutig die Überlegenheit der Prophylaxe für die meisten Patienten mit schwerer Hämophilie“, bilanzieren die Wissenschaftler. Die schlechtesten Ergebnisse hätten sich bei denjenigen gezeigt, die in der Kindheit bei Bedarf behandelt und erst später auf die Prophylaxe umgestellt wurden.

Quelle: Haemophilia, online erschienen am 8. April 2013; dx.doi.org/10.1111/hae.12136