In Kanada wird heute die Prophylaxe nicht mehr nur bei Kindern mit schwerer Hämophilie A eingesetzt, sondern auch bei so manchem Erwachsenen mit schwerer Hämophilie A, bei jenen mit mäßig schwerer Hämophilie A und bei schwerer Hämophilie B. Zu diesem Ergebnis kommt eine kanadische Studie, die in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift Haemophilia erschienen ist.

Damit kommt die Prophylaxe nun auch in Bereichen zum Einsatz, in denen ihre Rolle als Standardversorgung bisher weniger gut geklärt ist.

Das Forscherteam um Dr. Tina T. Biss, früher am Hospital for Sick Children in Toronto tätig, nahm im Jahr 2006 in seine Untersuchung nahezu alle kanadischen Hämophilie-Patienten (2161 mit Hämophilie A und 502 mit Hämophilie B) auf. Daten zu diesen Personen, darunter 78 Patienten mit Inhibitoren, erhielten die Wissenschaftler von 22 der 25 Hämophilie-Zentren in Kanada.

Als Prophylaxe definierten die Wissenschaftler die Infusion von Faktor VIII/IX-Konzentrat mindestens einmal wöchentlich über mindestens 45 Wochen pro Jahr. Am häufigsten kam die Prophylaxe bei Menschen mit schwerer Hämophilie A zum Einsatz (69 Prozent). Es folgten die schwere Hämophilie B (32 Prozent), mäßig schwere Hämophilie A (18 Prozent) oder B (fünf Prozent), und das Schlusslicht bildeten die leichte Hämophilie A und B (jeweils ein Prozent).

"Unter den Personen mit schwerer Hämophilie A betrug die Häufigkeit des Prophylaxe- Einsatzes 84 Prozent bei Kindern bis 18 Jahren und 55 Prozent bei den Erwachsenen ab 18 Jahren", schreiben die Experten.

Der Vergleich mit Daten einer Umfrage aus dem Jahr 2002 zeigte, dass die Prophylaxe bei schwer hämophilen Kindern heute häufiger schon vor dem Alter bis zu fünf Jahren eingesetzt wird (73 Prozent heute gegenüber 49 Prozent früher).

Von den Patienten mit Inhibitoren erhielten 13 Prozent eine Prophylaxe unter Einsatz der sogenannten "Bypassing Agents".

Quelle: Haemophilia 2008; 14 (5): 923-30

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