Wie wichtig die Prophylaxe gerade für Patienten mit schwerer Hämophilie A ist, unterstreicht ein neuer Bericht aus Schweden. "Bei Patienten mit schwerer Hämophilie A führen Spontanblutungen in die Gelenke zu einer Folge von Ereignissen, die in behindernder Arthropathie gipfelt", unterstreicht Dr. Erik Berntorp von der Universität Lund.

Schon früh hätten Hinweise aus Schweden darauf hin gedeutet, dass die Prophylaxe mit Gerinnungsfaktor zu besseren Ergebnissen führt. Aktuelle kontrollierte Studien, bei denen die Patienten nach einem Zufallsmechanismus einer Behandlungsform zugeteilt wurden ("Randomisierung"), bestätigten dies eindeutig: Sie zeigten, dass die Prophylaxe – im Vergleich zur Behandlung nach Bedarf – Blutungen reduziert und die Ergebnisse bei Patienten mit schwerer Hämophilie A verbessert.

Auch für die Wirksamkeit der Prophylaxe bei Patienten mit Hämophilie B gibt es Belege. Dennoch werden in den USA weniger als die Hälfte aller Patienten mit schwerer Hämophilie A oder B mit Prophylaxe behandelt. Zu den Hindernissen zählen neben den Kosten Schwierigkeiten beim venösen Zugang und die für prophylaktische Infusionen erforderliche Zeit.

Allerdings halten unter jenen, die prophylaktisch behandelt werden, Patienten vieler Altersgruppen die empfohlene Behandlung leider nicht richtig ein. Bedenken hinsichtlich der Therapietreue könnten wiederum eine wichtige Rolle bei der Bereitschaft des Arztes spielen, eine Prophylaxe zu verschreiben, meint der Autor.

Individualisierte Prophylaxe-Pläne könnten helfen, die Therapietreue des Patienten zu steigern, regt er an. "Gerinnungsfaktoren, die praktischer und bei der Infusion weniger zeitraubend sind, könnten ebenfalls die Einhaltung der prophylaktischen Therapie verbessern", hofft Dr. Berntorp.

Ärzte sollten für das strenge Befolgen prophylaktischer Gerinnungsfaktortherapien die Trommel rühren, um so die Gelenkfunktion schwer hämophiler Patienten zu erhalten, rät er.

Quelle: Haemophilia. 2009 Jul 29. [Epub ahead of print]