Deutschland wird bei der weltweiten Kontrolle von Blutprodukten und Impfstoffen künftig eine wichtige Funktion übernehmen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat das nationale Paul-Ehrlich-Institut zum «WHO-Kooperationszentrum für die Qualitätssicherung von Blutprodukten und In-Vitro-Diagnostika» bestimmt.

Der Leiter des Kooperationszentrums ist Prof. Rainer Seitz, der im Paul-Ehrlich-Institut die Abteilung Hämatologie und Transfusionsmedizin leitet. Das deutsche Institut solle die WHO "dabei unterstützen, in Fragen der Sicherheit und Qualität von Blutprodukten und In-vitro-Diagnostika (z. B. HIV-Tests) weltweit einen Standard zu erreichen, wie wir ihn bereits seit einigen Jahren in Deutschland und Europa haben", erklärte Gesundheitsstaatsekretär Klaus Theo Schröder. "Die Tatsache, dass die WHO diese Kooperation angeregt hat, macht deutlich, welchen Stellenwert die Arbeit des Instituts international einnimmt."

Die Sicherheit von Arzneimitteln aus menschlichem Blut und von In-vitro-Diagnostika ist immens wichtig. Je höher die Qualität und die Sicherheit sind, desto besser kann den Patientinnen und Patienten geholfen werden.

"Auch für die deutsche Forschungslandschaft ist dies ein guter Tag. Die hohe Expertise des Paul-Ehrlich-Instituts sowohl in regulatorischen Fragen als auch in der experimentellen Forschung ist ein wichtiger Beitrag zu unserem Ziel, Deutschland als führenden Gesundheitsstandort auszubauen. Das sichert die Qualität unserer medizinischen Versorgung. Denn wir wollen beides: Eine hohe Versorgungsqualität sowie einen verlässlichen Schutz der Gesundheit und die soziale Absicherung bei Krankheit."

Der Präsident des Paul-Ehrlich-Institutes, Johannes Löwer, sagte: "In vielen Teilen der Welt ist die Sicherheit von Bluttransfusionen nicht in der Weise gewährleistet, wie wir sie hier und heute kennen." Die Arbeit seines Institutes helfe "nicht nur der lokalen Bevölkerung, sondern auch allen Reisenden, denn Bluttransfusionen gehören zu den Arzneimitteln, die man nicht mitnehmen kann."

Seit das Paul-Ehrlich-Institut im Jahr 1994 die Zuständigkeit für Arzneimittel aus Blut vom früheren Bundesgesundheitsamt übernommen hat, ist es im Hinblick auf die Sicherheit und Wirksamkeit dieser Arzneimittelgruppe national und international sehr erfolgreich tätig gewesen. Dabei war es zunehmend auch in Aktivitäten der WHO eingebunden.

Beispiele dafür sind die Teilnahme an Expertenmeetings und Arbeitsgruppen der WHO, an Ringversuchen im Bereich von Arzneimitteln aus Blut und von In-vitro-Diagnostika sowie die Entsendung einer Expertin des PEI für In-vitro-Diagnostika zur WHO nach Genf für die Dauer von zwölf Monaten. Zudem hat das PEI verschiedene internationale Meetings, Studien und regulatorische Dokumente initiiert und aktiv vorangetrieben. Eine tabellarische Übersicht dieser Aktivitäten kann angefordert werden.

Bereits seit 1972 hatte das Institut sich einen Namen bei der Bewertung von In-vitro-Diagnostika gemacht. Viele Richtlinien und Verfahrensweisen, die in den letzten Jahren dazu geführt haben, dass in Deutschland und auch in Europa Arzneimittel aus Blut zu den sichersten weltweit gehören, gehen auf seine Initiativen zurück. Die dabei erworbene Expertise in allen Fragen, die die Sicherheit und Qualität von Blutprodukten und von In-vitro-Diagnostika betreffen, haben dazu geführt, dass die Weltgesundheitsorganisation eine noch engere und regelmäßigere Zusammenarbeit mit dem Institut sucht, als sie bisher schon bestanden hat.

Zu den Aufgaben, die das Paul-Ehrlich-Institut übernehmen wird, gehört es unter anderem, die WHO bei Schulungen und Tagungen im Zusammenhang mit Blutprodukten und In-vitro-Diagnostika zu unterstützen, Laborstudien und Standardisierungen zu organisieren und durchzuführen und daran mitzuarbeiten, Leitlinien und Empfehlungen zu erstellen.