BIRMINGHAM (BIERMANN) – Die Herstellung einer Hämostase bei Patienten mit einer Blutungsstörung kurz vor einem chirurgischen Eingriff ist eine Herausforderung. Aus Angst vor Komplikationen begegnen Chirurgen deswegen manchmal etwas zögerlich dieser Patientengruppe.

In einer retrospektiven Studie wurden die Operationsdaten von Kindern eines Hämophilie-Zentrums im britischen Birmingham aus den Jahren 1999 bis 2010 untersucht. Die Daten wurden hauptsächlich dahingehend ausgewertet, wie oft es Komplikationen aufgrund von unerwünschten Blutungsereignissen bei chirurgischen Eingriffen bei Kindern mit Hämophilie kam.

Es wurden insgesamt 168 Eingriffe bei 66 Kindern dokumentiert. Die chirurgischen Eingriffe umfassten das Legen oder Entfernen eines zentral venösen Katheters (41%), Eingriffe im Hals-Nasen-Ohren Bereich (beispielsweise Polypen- oder Mandelentfernung, 23%), Orthopädische Eingriffe (13%) Zahnmedizinische Eingriffe (5%), Beschneidungen (5%) und diverse andere Eingriffe (7%).

Alle Hämophilie-Patienten erhielten eine Gabe von Faktorpräparaten vor der Operation, gefolgt von unterschiedlichen Gaben nach der Operation. Bei keinem chirurgischen Eingriff fanden lebensbedrohliche Komplikationen statt. Allerdings traten bei sieben Prozent der durchgeführten Operationen (zwölf von 168 Eingriffen) unerwünschte Blutungen auf. Häufiger traten unerwünschte Blutungen nach der Entfernung der Mandeln auf, mit einem Anteil von 26 Prozent. Bei Operationen im Nasenbereich war der Anteil am größten und lag bei 43 Prozent.

Das Legen oder Entfernen eines zentral venösen Katheters war fast immer frei von Komplikationen, mit einem Anteil von nur 1,4 Prozent. Die Autoren der Studie kommen zu dem Ergebnis, dass chirurgische Eingriffe auch bei Kindern mit Hämophilie sehr sicher sind, so lange die Operation gut geplant wird und eine adäquate Gabe von Faktorpräparaten erfolgt.

Quelle: Haemophilia Oktober 2011 doi: 10.1111/j.1365-2516.2011.02667.x.