ISTANBUL (MedCon) – Ein neues Prodrug-Konzept, um die Wirkung von rekombinantem Faktor VIII (rFVIII) zu verlängern, haben Wissenschaftler aus Österreich und den USA jetzt beim 28. internationalen Kongress der World Federation of Hemophilia in Istanbul vorgestellt.

Ziel ihrer Arbeit ist es, die leider recht kurze Halbwertzeit von Faktor VIII zu erhöhen, damit die Zeitabstände zwischen den Injektionen für Hämophilie-Patienten größer werden können.

Als Prodrug bezeichnen Mediziner einen Wirkstoff, der in einer in- oder wenig aktiven Form verabreicht und erst durch die Verstoffwechselung im Organismus in seine richtig aktive Form gebracht wird.

Wie Dr. Peter Turecek aus der Abteilung für Forschung und Entwicklung von Baxter BioScience in Wien und seine Kollegen erklärten, modifizierten sie sowohl rFVIII als auch rekombinanten Von-Willebrand-Faktor (rVWF) mit einer neuen Form von Polymeren auf der Basis von Polyethylenglykol (PEG).

Mit herkömmlichem PEG modifizierter rFVIII ist zwar länger aktiv – hat also eine längere Halbwertszeit -, ist aber nicht so effektiv, als wenn er nicht modifiziert wäre.

Daher starteten die Wissenschaftler nun Versuche mit innovativen PEG-Substanzen, die sich zwar an die Moleküle binden, aber diese mit der Zeit auch wieder frei setzen.

Versuche an hämophilen Mäusen ergaben, dass die besten der neuen rFVIII-Moleküle rund 100 Stunden lang zu einer Konzentration des injizierten rFVIII von mehr als einem Prozent führten, während es bei rFVIII, der mit herkömmlichen PEG-Polymeren modifiziert war, nur 40 Stunden waren.

Dasselbe biochemische Prinzip der vorübergehenden Modifikation mit PEG-Polymeren (Pegylierung) funktionierte auch bei rVWF, der nach Angaben der Forscher im lebenden Organismus gleichzeitig verabreichten rFVIII stabilisieren und seine Halbwertszeit verlängern kann.

Quelle: Haemophilia 2008; 14 (Suppl.2), 1-120: 9