Um bei Menschen mit Hämophilie schweren Blutungen, vor allem Gelenkblutungen vorzubeugen, sind bestimmte Gerinnungsfaktorspiegel notwendig. Wie hoch diese mindestens sein müssen, ist mitunter jedoch nur schwer festzulegen.

Forscher der Universität Utrecht, Niederlande, haben nun ein Modell entwickelt, mit dem sich die Wahrscheinlichkeit von Gelenkblutungen in Abhängigkeit von Gerinnungsfaktor-Spiegeln abschätzen lässt. Ihre Ergebnisse stellten Ingrid den Uijl und Kollegen im Juli auf dem Kongress der International Society on Thrombosis and Haemostasis vor.

Für ihre Studie untersuchten die Forscher insgesamt 433 Patienten, von denen 27 Prozent an mittelschwerer Hämophilie und 73 Prozent an leichter Hämophilie litten. Alle Patienten erhielten eine Gerinnungsfaktor-Therapie nach Bedarf, aber keine prophylaktische Behandlung.

Die Wissenschaftler bestimmten bei allen Patienten die Spiegel an verbleibenden körpereigenen Gerinnungsfaktoren und verglichen diese mit der Häufigkeit von Gelenkblutungen. "Pro Anstieg des betreffenden Gerinnungsfaktors um eine Einheit (IU) pro ml wurde die Häufigkeit von Gelenkblutungen um 18 Prozent gesenkt", fanden sie heraus. Patienten mit den niedrigsten Spiegeln waren – nicht überraschend – am stärksten gefährdet für Gelenkblutungen. Patienten, deren verbliebene Gerinnungsfaktor-Aktivität noch mindestens 15 Prozent betrug, hatten dagegen so gut wie keine Gelenkblutungen mehr.

Ihre Ergebnisse könnten nun dabei helfen, das Blutungsrisiko von Menschen mit mittelschwerer oder leichter Hämophilie abzuschätzen sowie bei Patienten mit Gerinnungsfaktor-Prophylaxe die minimal notwendigen Spiegel zu identifizieren, glauben die Autoren.

Quelle: Kongress der International Society on Thrombosis and Haemostasis, 11. -16. Juli 2009, Abstract OC-TU-070