BUENOS AIRES (BIERMANN) – Die Antikörper (Immunglobuline) gegen Faktor VIII werden von einer bestimmten Gruppe der Lymphozyten, den so genannten Gedächtnis-B-Zellen, hergestellt. Argentinische Wissenschaftler wollten herausfinden, welcher Phänotyp der zirkulierenden Lymphozyten bei Patienten mit schwerer Hämophilie A vorliegt.

In dieser Studie wurden die Lymphozyten aus dem peripheren Blut verschiedener Personengruppen miteinander verglichen: 20 Personen mit Antikörpern gegen FVIII, 22 Personen ohne FVIII-Antikörper, neun Studienteilnehmer, die sich gerade einer Behandlung zur Induktion der Immuntoleranz (ITI) unterzogen sowie 20 gesunde Kontrollpersonen.

Die Lymphozyten im peripheren Blut wurde mit einem Durchflusszytometer untersucht, der Antikörperanteil mit Hilfe des Bethesda-Essays und der Durchflusszytometrie gemessen. Die B-Zellen wurde zudem anhand bestimmter Marker, CD27+ und CD70+, charakterisiert.

Bei allen Gruppen war der Gesamtanteil an T- und B-Lymphozyten im Blut etwa gleich hoch. Bei dem Anteil der ausdifferenzierten B-Gedächtniszellen mit dem Marker CD27+ im Blut war die Situation anders: Im Vergleich zu den gesunden Kontrollpersonen hatten die beiden Hämophilie-Gruppen (mit und ohne Antikörper) weniger Gedächtnis-B-Zellen im Blut.

Dieser Unterschied war bei Hämophilie-A-Patienten mit Antikörpern ausgeprägter als bei denjenigen ohne Antikörper. Hämophilie-A-Patienten mit einem hohen Antikörper-Level im Blut hatten die niedrigsten Gedächtnis-B-Werte. Die Expression des CD70+ Markers war bei Hämophilie-Patienten mit Antikörpern ebenfalls am niedrigsten.

Bei den Patienten, bei denen eine ITI auch nach zwölf Monaten nicht erfolgreich war, zeigten sich ebenfalls ganz geringe CD27+ Werte. Bei vier Patienten entwickelten sich im Verlauf der ITI höhere CD27+ und CD70+ Prozentsätze.

Die argentinischen Forscher kommen zu dem Ergebnis, dass unterschiedliche Marker der peripheren Lymphozyten, wie CD27 und CD70 auf B-Zellen, hilfreich sein könnten, um die Reaktion gegen FVIII zu evaluieren und den Erfolg einer ITI zu überwachen.

Quelle: Haemophilia, September 2011. doi: 10.1111/j.1365-2516.2011.02642.x