CHAPEL HILL (Biermann) – US-Forscher haben eine neue Form der Gentherapie erprobt, die bei Hunden mit Hämophilie A zu einem dramatischen Rückgang von Blutungsereignissen führte.

Wie das Team der University of North Carolina (UNC) und des Medical College of Wisconsin beobachtete, erlitten die Tiere vor der Gentherapie rund fünf schwere Blutungen pro Jahr. Nach Erhalt der neuartigen Gentherapie ging die Zahl der Blutungen im Verlauf von drei Jahren erheblich zurück, so der Bericht in der Fachzeitschrift „Nature Communications“.

„Das Ziel und die Hoffnung der Gentherapie besteht darin, dass Menschen mit Hämophilie eine einzelne therapeutische Injektion erhalten und dann das fehlende Protein produzieren, idealerweise über einen längeren Zeitraum oder sogar ihr ganzes Leben lang“, sagte Tim Nichols, Direktor des Francis Owen Blood Research Laboratory an der UNC und Koautor der vor kurzem publizierten Studie.

Bei der modernen Hämophilie-Therapie, die vielen hämophilen Jungen und Männern ein beinahe normales Leben ermöglichen kann, können in manchen Fällen Hemmkörper zum Problem werden. Nichols und David Wilcox vom Medical College of Wisconsin überlegten sich eine Methode, um die Bildung von Hemmkörpern zu umgehen.

Anhand einer sogenannten Plasmapherese-Maschine und einer Technik zur Blutanreicherung isolierte das Forscherteam bei drei hämophilen Hunden Vorläuferzellen von Blutplättchen. Dann veränderten die Wissenschaftler diese Vorläuferzellen gentechnisch, indem sie einen Gentherapie-Vektor, der Faktor VIII exprimiert, in die Zellen einschleusten. Diese genetisch veränderten Blutplättchen-Vorläufer wurden den Hunden dann wieder zugeführt. Die Zellen wuchsen und teilten sich, nach und nach wurden immer mehr gefunden, die FVIII exprimierten.

In den 2,5 Jahren, seit die Hunde diese Gentherapie erhielten, beobachteten die Forscher, dass FVIII nach wie vor in den Blutplättchen, die im Gefäßsystem zirkulieren, exprimiert wurde. Bei allen drei Hunden waren die Blutungen reduziert. Der Hund, in dessen Blutplättchen am meisten FVIII produziert wurde, erlitt nur noch eine schwere Blutung pro Jahr, die sich mit aktuellen Standardtherapien leicht behandeln ließ.

Nichols stuft dieses Ergebnis als großen Erfolg ein. „Und nun möchten wir die Möglichkeit eruieren, dies in klinischen Humanstudien für Menschen mit Hämophilie A zu testen.“

Sollte diese auf Blutplättchen abzielende Therapie zugelassen werden, würde sie vermutlich zunächst auf Patienten beschränkt, die Hemmkörper entwickeln. Mit der Weiterentwicklung könnte sie allerdings möglicherweise eines Tages auch eine Option für Menschen mit Hämophilie darstellen, die keine Hemmkörper aufweisen.

Quelle:
University of North Carolina Health Care, 11.12.2013; Nature Communications 4, Article number: 2773 doi: 10.1038/ncomms3773 http://www.nature.com/