UTRECHT (BIERMANN) – Die klinische Bedeutung sehr kleiner Veränderungen auf Magnetresonanztomographie (MRT)-Bildern von hämophilen Gelenken ist bisher noch ungeklärt.

Die niederländischen Forscher um Ingrid den Uijl von der Klinik van Creveld in Utrecht und belgische Experten vom Universitätsklinikum in Antwerpen untersuchten den Zusammenhang zwischen MRT-Befunden und der Gelenkfunktion sowie Blutungen in Gelenken mit offenbar sehr leichter Arthropathie.

Die Forscher scannten für die prospektive Studie insgesamt 104 Knie- und Fußgelenke von 26 hämophilen Patienten im Alter von 13 bis 26 Jahren.

Für die Auswertung der MRT-Bilder wurde die Anzahl der bisherigen Blutungen (Blutungsanamnese) anhand der Krankenakten erhoben. Von den 104 gescannten Gelenken wurden drei von der Auswertung ausgeschlossen, da diese Gelenke operativ versteift waren (Arthrodese) oder ein Trauma vorlag.

Die verbliebenen 101 MRT-Scans korrelierten nur schwach mit der klinischen Funktionalität (Beweglichkeit) des Gelenks (r=0,27, P=0,01), die von einem Physiotherapeuten bestimmt wurde. Noch weniger korrelierten die MRT-Werte mit der Anzahl der bisherigen Blutungen (r=0,16; P=0,14).

Unabhängig von diesen ernüchternden Ergebnissen konnte bei 30 Prozent der Gelenke auf den MRT-Bildern eine leichte Veränderung in den Weichteil- und Knorpelgeweben entdeckt werden. Dagegen konnten aber keine Hinweise auf verborgene, kleinste Blutungen (okkulte Blutungen) gefunden werden.

Auch wenn laut Anamnese häufiger Blutungen in den Gelenken aufgetreten waren, wurden in den entsprechenden 43 Gelenken keine Veränderungen auf den MRT-Scans entdeckt.

Allerdings scheint es bei dem zellulären eisenhaltigen Abbauprodukt des Hämoglobins – dem Proteinkomplex Hämosiderin – einen Zusammenhang zwischen dem letzten Blutungsereignis und der Zeit bis zur Beurteilung zu geben: Gelenke, in denen es schon lange keine Blutung mehr gegeben hatte, wiesen nur wenig Hämosiderin auf. Gelenke hingegen, in denen erst kürzlich eine Blutung aufgetreten war, enthielten Hämosiderin. Dieses Ergebnis scheint darauf hinzudeuten, dass die Gelenkschädigungen reversibel sein könnten.

Die im MRT – nicht aber mit dem Petterson-Score (im Röntgenbild) – entdeckten Abnormalitäten waren geringfügig. Ihre klinischen Auswirkungen sind bislang unklar.

Quelle: Haemophilia. 24. März 2011 ; Doi: 10.1111/j.1365-2516.2011.02513.