Am 10. August 2006 mussten die Passagiere auf Londoner Flughäfen stundenlang auf den Abflug ihrer Flugzeuge warten, viele Flüge wurden gestrichen. Die britische Polizei hatte einen Terroranschlag aufgedeckt, Attentäter wollten vermutlich mit Flüssigsprengstoff mehrere Flugzeuge über dem Atlantik zum Absturz bringen. In den nächsten Tagen durften die Passagiere praktisch keine Flüssigkeiten mehr mit an Bord nehmen, nur ein durchsichtiger Plastikbeutel mit dem Allernötigsten war erlaubt.
Mittlerweile läuft der Flugbetrieb wieder normal, doch die verschärften Sicherheitsbestimmungen gelten noch immer – vor allem für Flüssigkeiten.

Großbritannien erlaubt Medikamente wieder

Passagiere dürfen an britischen Flughäfen ein Stück Handgepäck mit an Bord nehmen, das allerdings nicht größer als 56cm x 45cm x 25cm sein darf. Ab April 2007 gelten diese Maximalabmessungen für das Handgepäck in allen EU-Mitgliedstaaten. Flüssigkeiten sind erlaubt, aber sie müssen in getrennten Behältern mit nicht mehr als 100 ml Fassungsvermögen verpackt sein. Die meisten Deos haben nur eine Füllmenge von 20-50 ml, auch kleinere Parfumflakons stellen kein Problem dar. Streng zeigt sich das Sicherheitspersonal allerdings bei großen aber halbleeren Cremetuben. Die dürfen auch dann nicht mit, wenn offensichtlich weniger als 100 ml Inhalt übrig ist. Alle Behälter müssen die Passagiere in einen geschlossenen, durchsichtigen und wieder verschließbaren Plastikbeutel packen, dessen Fassungsvermögen einen Liter nicht überschreiten darf. Wieder verschließbare Gefrierbeutel sind dafür gut geeignet. Sie werden, wie Notebooks, einzeln durch die Röntgenanlage geschickt.

Europa konform mit Großbritannien

In allen 25 Staaten der Europäischen Union (EU) sowie der Schweiz, Norwegen und Island gelten seit dem 6. November 2006 die gleichen Regelungen wie in Großbritannien, Flüssigkeiten dürfen nur in begrenzten Mengen mitgenommen werden und sind separat in einer Plastiktüte zu verpacken. In EU-Flughäfen werden die Tüten meist beim Check-In ausgeteilt oder gegen ein geringes Entgelt (ca. 50 Cent) verkauft, in den USA müssen sich die Fluggäste selbst um einen geeigneten Beutel kümmern.

Als Flüssigkeiten gelten Wasser, Getränke, Suppen und Parfum sowie alles, was sich im Kulturbeutel befindet: Gels einschließlich Haar- und Duschgel, Zahnpasta, flüssige Mascara, Cremes, Lotionen und Öle, Sprays und Deodorants. Auch flüssige Medikamente wie Hustentropfen, Insulin oder

Blutfaktor-Präparate für Hämophilie-Patienten gehören in diese Gruppe. Wer als chronisch Kranker während eines längeren Fluges auf größere Mengen Medikamente angewiesen ist, sollte vorher klären, unter welchen Umständen er sie im Handgepäck mitführen darf, rät das Zentrum für Reisemedizin (CRM) in Düsseldorf. Auch wenn es keine ausdrückliche Vorschrift ist, kann es zudem vorkommen, dass an der Sicherheitskontrolle ein Nachweis verlangt wird, dass der Passagier die Medikamente wirklich benötigt.

Die Vorschriften gelten für alle Flüge, die von Flughäfen der EU sowie der Schweiz abgehen, unabhängig von deren Bestimmungsort, also auch für alle Inlandsflüge, innereuropäische und Anschlussflüge.

Strengere Regeln in den USA

Die USA haben detaillierte, eigene Bestimmungen erlassen. Patienten dürfen grundsätzlich alle Medikamente mitnehmen, die für die Behandlung eines bestimmten Gesundheitsproblems notwendig sind. Allerdings nur in den Mengen, die während des Fluges benötigt werden. Zudem müssen die Medikamente originalverpackt sein, auf einem gedruckten Label müssen der Name des Produktes und des Herstellers stehen.

Verschreibungspflichtige oder frei verkäufliche Medikamente wie Augentropfen, Salzlösung oder andere Gele, Flüssigkeiten und Sprays sind bis zu einer Menge von 100 ml erlaubt, ebenso Wasser, Säfte oder Flüssignahrung. Als Flüssigkeiten gelten auch Knochenmark, Blutprodukte und Organe sowie Gels und gefrorene Flüssigkeiten, die bei Kranken zur Kühlung notwendig sind. Sie müssen bei der Kontrolle separat vorgezeigt oder dem Transportation Security Officer angezeigt werden.

Bestätigungen des Hausarztes mitnehmen

Die Sicherheitsbehörden empfehlen, eine schriftliche Bestätigung des Hausarztes in englischer Sprache mitzuführen, die besagt, dass der Patient auf das Medikament angewiesen ist. Hilfreich ist auch, wenn das Originalrezept auf den Namen des Ticket-Inhabers ausgestellt ist. Diese Nachweise sind keine Pflicht, können den Fluggast jedoch vor einer eingehenden Befragung durch die Sicherheitsbeamten bewahren. Nicht erlaubt sind Betäubungsmittel und Stoffe, die Abhängigkeiten hervorrufen. Hier ist Vorsicht geboten: Hustenmedizin, harntreibende Mittel, Herzmedikamente, Beruhigungsmittel, Schlafmittel, Antidepressiva und Aufputschmittel enthalten solche Stoffe und dürfen in die USA nur eingeführt werden, wenn ihre medizinische Notwendigkeit nachgewiesen werden kann.

Wer seine Medikamente nicht den Strahlen des Röntgengerätes aussetzen möchte, kann sie auch visuell untersuchen lassen. Allerdings ist dies beim Sicherheitscheck vorher anzukündigen und die Medikamente müssen sich dafür in einer separaten Tasche befinden. Bleiben nach einer visuellen Prüfung allerdings noch Zweifel, müssen auch die Medikamente durch den Scanner oder sie dürfen nicht mit an Bord. In jedem Fall sollte man für den Sicherheitscheck ausreichend Zeit einplanen, denn durch die neuen Regelungen entstehen noch immer lange Schlangen vor den Sicherheits-Scannern.