ANAHEIM (BIERMANN) – Bei rund 10 bis 15 Prozent der Patienten mit Hämophilie A wird die Krankheit durch sinnentstellende ("Nonsense") Mutationen ausgelöst. Diese führen im Erbgut zu einem sogenannten Stopcodon, das die Protein-Produktion vorzeitig beendet. Heraus kommt ein zu kurzes Faktor-VIII-Protein, das gar nicht oder nur eingeschränkt funktionsfähig ist.

Doch es gibt einen Wirkstoff namens Ataluren, der bei anderen Erbkrankheiten, die auch auf Nonsense-Mutationen zurückgehen können, Erfolg gezeigt hat. Die Rede ist von der Zystischen Fibrose oder Mukoviszidose und der Duchenne'schen Muskeldystrophie (DMD). Die Substanz soll dazu führen, dass das falsche Stopcodon ignoriert und das vollständige Protein hergestellt wird.

Wissenschaftler seien heute näher daran, Medikamente herzustellen, die die Zerstörung der Proteine beheben, und die Behandlung genetischer Krankheiten drastisch zu verbessern, erklärte Dr. David Bedwell, Professor an der University of Alabama at Birmingham und Spezialist für Nonsense-Mutationen.

Bei der Experimental Biology 2010-Konferenz am 26. April in Anaheim stellte Bedwell aktuelle Befunde zu Ataluren (frühere Bezeichnung PTC124) vor.

"Wenn Sie eine genetische Erkrankung behandeln, lautet die entscheidende Frage, wie viel des fehlenden Proteins müssen Sie ersetzen, um einen therapeutischen Nutzen zu erzielen?", sagte Bedwell. Bei einigen Krankheiten könnte 1 Prozent reichen, bei anderen müssten es 50 Prozent sein.

In seiner bekanntesten Studie stellte der Wirkstoff bei Mäusen mit zystischer Fibrose bis zu 29 Prozent der normalen Proteinfunktion wieder her. Ein anderer Forscher gab für die DMD bis zu 25 Prozent wieder hergestellte Proteinfunktion an.

Das eigentliche Versprechen von Medikamenten, die Nonsense-Mutationen unterdrücken, liege in ihrer Selektivität, sagte Bedwell, der auch als Berater für die Herstellerfirma PTC Therapeutics tätig ist. Das bedeutet, dass die Medikamente krankheitserzeugende Mutationen gut beheben, gesunde Gene aber im Allgemeinen aussparen.

Derzeit wird Ataluren in den USA in einer klinischen Phase 2a-Studie gegen Hämophilie A und B an Menschen getestet. Dabei soll geklärt werden, ob das Medikament die Spiegel an Faktor VIII bzw. IX erhöhen kann und die Gabe bei schwerer Hämophilie aufgrund von Nonsense-Mutationen sicher ist.

Quelle: University of Alabama at Birmingham, PTC-Therapeutics