LONDON (BIERMANN) – Die Schwangerschaft und die Entbindung sind eine große Herausforderung für Frauen mit Blutungsstörungen oder den Nachwuchs, der an Hämophilie erkrankt ist. Das Forscherteam um Frau Dr. Rezan Abdul Kadir vom Zentrum für Hämophilie und Thrombose der Royal Free Klinik in London gibt wichtige Hinweise bei der Schwangerschaft.

Ihre Empfehlung lautet: Für ein optimales Schwangerschafts-Management von Frauen mit genetisch bedingten Blutungsstörungen, ist ein multidisziplinäre Betreuung durch Experten verschiedener Fachrichtungen sinnvoll, die geburtshilfliche und blutungsgefährliche Situationen richtig einschätzen können.

Diejenigen Frauen mit starken und seltenen Gerinnungsstörungen oder Frauen, die ein Hämophilie-krankes Kind erwarten, sollten sich für die Geburt an ein Universitätsklinikum wenden, welches an ein Hämophilie-Zentrum angeschlossen ist.

Für das ungeborene Kind, das an Hämophilie erkrankt ist, ergeben sich ebenfalls Gefahren bei der Geburt. Etwa drei bis vier Prozent der Säuglinge erleiden eine Gehirnblutung bei der Entbindung. Welche die idealste Geburtenhilfe für Babys mit Hämophilie ist, wird immer noch kontrovers diskutiert.

Es ist aber so, dass heutzutage vermehrt Kaiserschnitte bei der Entbindung des Hämophilie-kranken Kindes durchgeführt werden. Bei der "natürlichen" Geburt ist zu beachten, dass eine verlängerte Dauer der Entbindung und eine etwaige Vakuum-Extraktion zu vermeiden ist, da beide Ereignisse das Risiko für eine Gehirnblutung beim Nachwuchs erhöhen.

Frauen mit schwachen und gemäßigten Gerinnungsstörungen können von der lokalen Geburtklinik in enger Zusammenarbeit mit einer Universitätsklinik entbinden. Bei Komplikationen übernimmt dann die Uniklinik die Geburtshilfe.

Quelle: Haemophilia, Juli 2011;17 Suppl 1:20-30. doi: 10.1111/j.1365-2516.2011.02561.x.