GÖTEBORG (Biermann) – Bei Überträgerinnen von schwerer und mittelschwerer Hämophilie A und B gehen Mediziner davon aus, dass sie rund 50 Prozent der normalen Konzentrationen von Faktor VIII bez. IX aufweisen. Aufgrund der Inaktivierung des einen X-Chromosoms, die schon früh im Leben des weiblichen Embryos erfolgt, können die Faktorspiegel erheblich variieren. Die Folge: unter Umständen eine erhöhte Blutungsneigung, die wiederum die gesundheitsbezogene Lebensqualität beeinträchtigen kann.

In welchem Maße dies tatsächlich der Fall ist, untersuchten jetzt schwedische Forscher um A. Olsson vom Sahlgrenska Universitätsklinikum in Göteborg. In ihre Untersuchung nahmen sie 124 erwachsene Überträgerinnen und 90 Kontrollpersonen auf. Die Blutungsneigung werteten sie anhand eines strukturierten Instruments zur Einschätzung von Blutungen aus, die Lebensqualität anhand eines Fragebogens (Short Form 36, SF-36). Die in diesem Fragebogen erzielten Punktwerte verglichen sie mit normierten Daten für schwedische Frauen gleichen Alters und gaben sie als Z-Werte an.

Olsson und Kollegen stellten keine signifikanten Unterschiede bei den Z-Werten der acht SF-36-Rubriken zwischen den Gruppen der Überträgerinnen und Kontrollpersonen als Ganzes fest. Der Summenwert für die seelische Komponente fiel bei den Überträgerinnen niedriger aus (P = 0,048).

Jedoch zeigte die Untergruppe der Überträgerinnen mit erhöhter Blutungsneigung signifikant niedrigere Z-Werte als die Kontrollpersonen, und zwar bei den Rubriken „Allgemeine Gesundheit“ (P = 0,008), „Sozialfunktion“ (P = 0,040) und „Seelische Gesundheit“  (P = 0,048). In dieser Untergruppe von Überträgerinnen war der Summenwert für die seelische Komponente signifikant niedriger (P = 0,033).

Die Schlussfolgerung der Wissenschaftler lautet, dass bei der Subgruppe von Überträgerinnen mit erhöhter Blutungsneigung die gesundheitsbezogene Lebensqualität leidet, aber laut den SF-36-Ergebnissen eher die seelische als die körperliche Gesundheit beeinträchtigt ist.

Quelle: Haemophilia 2015;21(6):742-6. dx.doi.org/10.1111/hae.12796